die Erklärung des Glaubens als feste Zuversicht auf das, was man hofft und nicht sieht, ist berühmt. Sicher ist sie nicht umfassend, aber deutlich: Glaube ist Hoffen. Glaube ist jedenfalls das Gegenteil von Furcht und Verzweifeln, auch von Pessimismus und Schwarzseherei. Hoffnung steht vor allem Wissen. Sie spürt, wenn etwas Sinn macht. Damit reicht sie weit über die Gegenwart hinaus als ein Widerstandleisten des einzelnen gegen den Zerfall. Sie verleiht uns schon jetzt Teilhabe an der Zukunft. Was uns bei allen Befürchtungen ja treibt, ist die Hoffnung, dass vorne ein Ausweg ist. Nur was wir glauben, hoffen und lieben, das treibt uns an. Das trägt uns durch jeden Tag und jedes Jahr. Glauben als Hoffen ist also genau das Gegenteil von Herzensträgheit und Welttraurigkeit, von wehrlosem Billigen und Nachlaufen. Der Große Denker Hugo von St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert hielt die Herzensträgheit für eine der sieben Hauptsünden. Er sah eins aus dem anderen hervorgehen: Aus dem Stolz den Neid; aus dem Neid den Zorn, aus dem Zorn die Trübsinnigkeit. Daraus zog er einen bemerkenswerten Schluss: „Wäre niemand mehr, der liebte, die Sonne würde erlöschen.“ Ich hoffe auf und für eine Menschheit, die ihre Herkunft von Gott her erkennt. Die Gnade möge uns gewährt sein, dass wir das Leben, das uns als Hoffnungsgeschenk anvertraut ist, auch bereichern.
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist doch einfach toll, aus dem Vollen zu leben. Für die meisten heißt das sicher: viel Geld und nicht darüber nachdenken müssen, dass es ausgeht. Für andere bedeutet es: ewig geliebt oder befreundet zu sein, jedenfalls nie allein und unversorgt. Noch andere sind lieber das ganze Jahr auf Reisen, um sich etwas von der Fülle anderer Kulturen abzuschauen. Was für uns jeweils das Erfüllendste ist, wissen wir selbst am besten – und Jesus meint von all unseren Glücksentwürfen etwas. Geld war ihm nicht egal. Er fand, dass der Kaiser in Rom bekommen sollte, was ihm zustand; aber auch die Witwen- und Waisenkasse hatte ihre Berechtigung. Kaiser und Bedürftige standen für ihn auf einer Stufe. Jesus ließ sich inspirieren von der Andersartigkeit der Kulturen der Samariter, der römischen Besatzung, der einfachen Fischer und der reichen Zöllner, auch der der Frauen. Dafür war er viel unterwegs. Über die Grenzen des eigenen Dorfes, des eigenen Standes und Geschlechtes, hinauszuschauen, war für ihn ein großer Gewinn. Die späteren humanistischen Ideen von Toleranz und Weltbürger*innentum haben Jesu Verständnis von „vollem Leben“ viel zu verdanken. Jesus setzte bei den Menschen seiner Zeit Leib, Geist und Seele wieder versöhnt zusammen. Er erkannte die Wohltat der Ganzheitlichkeit. Lassen Sie es sich damit gut gehen.
Eine segensreiche Sommerzeit wünscht Ihnen
Pfarrerin Martina Abel
