Vom Dorfpfarrer in Rheinhessen führte ihn 2006 derWeg nach Kaiserslautern. Er folgte seiner Frau Beate Stinski-Bergmann, die an der Stiftskirche seit 2003 als Bezirkskantorin tätig ist. Verständlich, dass er das Angebot der damaligen Dekanin Angelika Keller, eine halbe Stelle als Pfarrer zur Dienstleistung an der Stiftskirche, gerne angenommen hat. „Meine Aufgabe: ein Angebot für vieleMenschen zu schaffen, das es bis dahin in Kaiserslautern nicht gab“, lässt Bergmann die Jahre Revue passieren. Ohne Stellenbeschreibung, Etat und Büro legte er los. „Was macht der Bergmann da? Will er die Kirche neu erfinden?“, war unter anderem aus dem Presbyterium zu hören. Dabei ging es ihm nur darum, Menschen zu erreichen. Dazu bot ihm die Fußballweltmeisterschaft 2006 mit fünf WMSpielen im Fritz-Walter-Stadion eine willkommene Gelegenheit. „Die Stadt war voll von Menschen.“ Bergmann öffnete die Türen der Stiftskirche und zündete Kerzen an. Sein Angebot: „Menschen im Trubel der WM einen Raum der Stille anbieten.“ Seine Einladung wurde angenommen. „Zwischen Mai und Dezember zählten ehrenamtliche Kirchenhüter 100.000 Besucher“, erinnert er sich.
Bergmann blieb bei seinem missionarischen Projekt, „Menschen die Türen zu öffnen, ohne sie zu vereinnahmen“. Indemer bis heute, jeweils freitags, zu Veranstaltungen einlädt, weitete er die Stiftskirche aus zu einem kulturellen Raum für Musik, Lesungen und Theater. Gerne erinnert er sich an einen Harfenspieler aus Paraguay, der ein Gastspiel in der Stiftskirche gab. „Die Kirche war knackevoll“, so Bergmann. Regelmäßig folgten Konzerte mit Jazz und französischen Chansons. Schauspieler des Pfalztheaters warteten in der Stiftskirche mit Szenen auf. Konzertlesungen und Taizégebete zogen Besucher in das Gotteshaus. Besondere Messen wie die „Thomasmesse“, eine Form des Abendmahlgottesdienstes,
die sich an Suchende und Zweifelnde wendet, fanden Anklang. Nicht zu vergessen: die „Nacht der Kirchen“. Als Netzwerker lud Bergmann erstmals 2008 in Kaiserslautern dazu ein. Seit 2018 wird die „Nacht der Kirchen“ alle zwei Jahre vom Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) weitergeführt. Zusammen mit Christoph Dammann, dem Leiter des Lauterer Kulturamtes, initiierte Bergmann außerdem Kulturandachten. Mit Weinproben hat er die Bibel ins Gespräch gebracht und zu Kirchenführungen und Klanglesungen geladen. Schnell war sich Bergmann bewusst, dass jede Veranstaltung beworben und organisiert werden muss. Gefragt war sein Marketing-Talent. Für die Kirchenverwaltung Anlass, ihm eine zweite halbe Stelle für Öffentlichkeitsarbeit zu bewilligen. Die kommt dem gesamten protestantischen Kirchenbezirk zugute.
Auch als Gesprächspartner für Menschen in belastenden Lebenssituationen bietet sich Bergmann an – gefragt war das besonders während der Coronapandemie, ist es aber noch heute. Ob bei einem Spaziergang in der Natur oder mit einem offenen Ohr auf einer Kirchen- oder Parkbank – Menschen zuzuhören und ihnen ein Licht im Dunkeln zu zeigen, ist dem Seelsorger ein Bedürfnis. 24 Gästebücher, die Bergmann in all den Jahren in der Stiftskirche ausgelegt hat, zeugen mit ihren Einträgen vom Besuch vieler Menschen im Gotteshaus. In einemder zahlreichen Einträge heißt es: „Eine wunderbare Idee. Es hat mir sehr gut getan, in einer besinnlichen Abendstunde die göttliche Kraft im Kerzenschein zu spüren. Vielen Dank für solch ein schönes Geschenk. Gott hilf mir und meinen Kindern, dass unsere Seelen wieder ganz gesund werden. Danke!“
In einem anderen Beitrag heißt es: „Ich tat Gott einen Dienst und hütete diese Kirche. Doch jetzt merke ich, Gott hat mir gedient. So sieht wahrscheinlich ein Gottesdienst in einer offenen Kirche aus. Gott segne diese Kirche. Öffne Türen und Herzen!“ Texte, die ihn besonders beeindruckt haben, beabsichtigt Bergmann, der seit zwölf Jahren Presbyter und seit Januar 2026 Vorsitzender der Kirchengemeinde Mitte-Nord ist, in einem Flyer und online zu veröffentlichen.
Bis zu 60 Ehrenamtliche konnte Bergmann für seine Arbeit gewinnen. Jugendliche und Ruheständler, Protestanten und Katholiken stehen ihm zur Seite,wenn es heißt, die Türen der Stiftskirche für Besucher wöchentlich zu bestimmten Zeiten offen zu halten. „Ich mache meine Arbeit sehr gerne und ich bin dankbar, wenn ich sie weitermachen darf“, spricht der Citypfarrer über seinen Dienst für die ganze Stadt. „Kirche muss am Platz bleiben und offen sein für die Herzen der Menschen.“
Joachin Schwitalla
