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Auch mit Abstand Nähe

|  Stiftskirche

Auch mit Abstand die Nähe zu den Menschen spüren - Stefan Bergmann, evangelischer Pfarrer der City-Kirche, versucht die Gläubigen online sowie physisch zu erreichen. „Menschen brauchen Menschen. Von Menschen leben wir als Kirche“, sagt Stefan Bergmann, Pfarrer der City-Kirche des Protestantischen Kirchenbezirks Kaiserslautern. Umso mehr hat er bis heute die Folgen der Corona Pandemie zu spüren bekommen.

Seit dem 17. März 2020 ist ein Großteil der von ihm organisierten Veranstaltungen entfallen, die in der Stiftskirche hätten stattfinden sollen. Präsenzveranstaltungen wie die Nacht der Kirchen, die Osternacht, Konzerte und Lesungen: „Alle Begegnungen waren auf einmal weg.“ Auch die Besucherzahlen der Offenen Kirche seien 2020 um mehr als die Hälfte gesunken. „Plötzlich keine Menschen mehr um sich zu haben, hat sich komisch angefühlt.“

Eine Verkündigung sei öffentlich nicht möglich gewesen. Trauerfeiern mit nur vier Angehörigen hat Stefan Bergmann als ein „schlimmes Bild“ empfunden. Gleichzeitig erinnert er an den deutschlandweiten Dissens, den öffentliche Gottesdienste unter Auflagen auf der einen und untersagte Kulturveranstaltungen auf der anderen Seite hervorgerufen haben. Für den Pfarrer der City-Kirche, dessen Arbeit die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen ist, ein „falsches Signal“.

Förmlich explodiert ist in dieser Zeit sein Engagement in sozialen Medien. „Durch zahlreiche Videoproduktionen von Gottesdiensten, Konzerten und Andachten, Zoom-Gesprächen, Konferenzen und Podcasts waren wir von heute auf Morgen als Kirche in Kaiserslautern digital“, verweist Stefan Bergmann auf über 50.000 Aufrufe auf dem Kirchenkanal in Youtube. Zusammen mit Oliver Schreyer, einem Fachmann in Sachen IT, hat er begonnen, Videos und Livestreams zu produzieren. Videos mit Gedanken zu kirchlichen Anlässen und Livestreams von Gottesdiensten. „Ich habe gelernt, ein Video zu drehen und auf Youtube zu veröffentlichen.“

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurden Gottesdienste aus der protestantischen Friedenskirche, aus den Pfarreien Heilig Geist und Heiliger Martin live gestreamt. Mit der Zeit seien die Übertragungen von Gottesdiensten aufgrund verbesserter Technik qualitativ immer besser und ausgefeilter geworden, berichtet Stefan Bergmann.

Acht Gottesdienstbesucher in der StiftskircheAuf der digitalen Schiene sei es möglich, auch in Zeiten des Lockdowns viele Menschen zu erreichen. Gleichzeitig seien die unter strengen Auflagen angebotenen Gottesdienste von immer weniger Menschen besucht worden. „In einem der letzten Sonntagsgottesdienste im Januar in der Stiftskirche wurden acht Besucher gezählt.“

Gleichwohl räumt Stefan Bergmann ein, der digitalen Realität müde geworden zu sein. „Und viele andere auch.“ Parallel dazu gewachsen sei der Bedarf an seelsorgerischer Zuwendung, verweist er auf Telefonate, mit denen er mit mehr Menschen in Kontakt sei als vor der Krise. „Täglich erlebe ich sehr einsame Menschen.“ Ein Grund für den City-Pfarrer, seit Jahresbeginn als Seelsorger verstärkt unterwegs zu sein und besonders einsame Menschen mit Maske an der Haustür zu besuchen. „Ich bleibe konsequent draußen und erlebe auch mit Abstand wohltuende Nähe.“

Coronakonform sind auch Stunden, die Bergmann in der offenen Stiftskirche verbringt und darauf wartet, dass ihn jemand anspricht. Bewusst veröffentliche er seine offenen Sprechstunden nicht, weil er niemanden dazu verleiten wolle, das Haus für unnötige Kontakte zu verlassen. „Wer aber sowieso unterwegs ist und die Stiftskirche aufsucht, kann nicht nur sein stilles Gebet verrichten. Mit Maske und Abstand findet man beim City-Seelsorger auch ein offenes Ohr.“

Die Kirche wird auch künftig online präsent seinEine offene Kirche in Corona-Zeiten macht darauf aufmerksam, dass sie für Menschen da sei. Sorgen der Menschen ernst nehmen, ihnen zuhören, Zuspruch geben und ihnen Mut machen, sei ein Angebot für alle Altersklassen, sagt Stefan Bergmann. Er räumt ein, dass die Stiftskirche in der Regel bis 19 Uhr nur unregelmäßig geöffnet sei. Als Grund führt er den Wegfall von Ehrenamtlichen an, die zur Aufsicht notwendig sind. Ein Großteil der Aufsichten gehört aufgrund des Alters zur Risikogruppe.

Wie er sich die nahe Zukunft seiner Arbeit vorstellt? „Die Onlinepräsenz der Kirche wird weiterlaufen.“ Ebenso sein Angebot, Menschen als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Auch hat Stefan Bergmann bereits die Zeit im Blick, in der Corona weniger die Schlagzeilen der Medien füllen wird und denkt über kleinere kulturelle Veranstaltungen in der Stiftskirche nach. „Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.“

Joachim Schwitalla

in: Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 26, Montag, den 1. Februar 2021, Seite  14

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