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Ein rotes Pflaster klagt an

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Alternativer Gottesdienst der Aktion Maria 2.0 vor den Toren der Marienkirche. Das war wahrhaftig ein sehr frischer Wind, den die Frauen der Aktion Maria 2.0 in ihrem alternativen Gottesdienst entfachten. Vor den Toren der Marienkirche waren am Sonntagvormittag rund 150 Frauen, Männer und Kinder erschienen, um gegen Ausgrenzung, Missbrauch und Vertuschung zu protestieren und um eine neue Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche zu fordern.

Die Streikaktion schließt sich an die Initiative Münsteraner Frauen an. „Vor Gott sind alle gleich“, „Frau – von Gotteshand ins Priesteramt“ – so und ähnlich war es auf Bannern und Plakaten vor der Marienkirche zu lesen. Unterschriftenlisten der Aktion lagen aus. Neben der großen Treppe bildete ein schlichter Altar mit Kreuz, Marienstatue und Kerze das Zentrum, um den herum sieben Frauen den alternativen Gottesdienst gestalteten: Christa Kliegel-Fischer, Ina Krieger-Reimer, Hildegard Rogel, Alexandra Scherer-Fleygnac, Marianne Schmulder, Jutta Mader und Elisabeth Merkert.In ihrer Begrüßung legten sie dar, wer die Menschen sind, die hinter Maria 2.0 stehen. Der kleine Kreis von fünf Dansenberger Frauen aus der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul habe sehr schnell engagierte Unterstützung von Frauen und Männern aus der ganzen Pfarrei Heilig Geist, vom Gymnasium und Realschule St. Franziskus gefunden, ebenso von Messdienern und Musikern, aus der Enkenbacher Kirchengemeinde und dem Bereich der Medien. Alternativ wolle dieser Gottesdienst in mehrfacher Hinsicht sein: weil er allein von Frauen – ohne Priester – gestaltet wurde, weil er zum Zeichen des Protestes gegen Ausgrenzung von Frauen vor der Kirche stattfand, weil er Missstände und Verletzungen offen benenne, und weil Frauen aus dem Protest heraus die Zukunft aktiv verändern wollen.

Mit ihren Forderungen stehen die Frauen im Schulterschluss mit den Begründerinnen der Aktion Maria 2.0 aus Münster: Ehrlichkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit der Kirche, Orientierung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen, Aufhebung des Pflichtzölibats, Zugang der Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und die Rückbesinnung auf Jesus und die Umsetzung seiner Botschaft.

Der Aufruf an alle Frauen, in der Aktionswoche vom 11. bis zum 18. Mai alle ihre kirchlichen Ämter ruhen zu lassen, kann eine sehr große Lücke in den katholischen Gotteshäusern aufreißen. „Kirche muss sich ändern, damit sie wieder glaubhaft, anziehend und liebenswert wird, damit sie ihre Aufgabe, die frohe Botschaft in unsere Gesellschaft zu bringen, erfüllen kann“, sagt Marianne Schmulder.

Spürbar verdeutlicht wurden die Forderungen, als die Frauen Textzitate aus dem Evangelium heranzogen, nach der Vorlage des Textes „Frauenfragen“ von Andreas Knapp. Ein leuchtend rotes Pflaster verschloss symbolisch ihren Mund, als sieben Frauen nacheinander vortraten, um Bibelzitate auf Tafeln vor der versammelten Gemeinde zu präsentieren. Dazu wurde vorgetragen, wo Frauen eine wichtige Rolle in Jesu Leben hatten, wie die Jesus Mutter Maria oder Maria Magdalena. Die einzelnen Zitate zeigten, wie Frauen schon in Jesus Gegenwart Aufgaben verrichteten, von denen sie seit langem ausgeschlossen sind. Frauen haben Jesus gesalbt, Jesus zugehört und mit ihm argumentiert, wurden von ihm als Botschafterin zu seinen Jüngern geschickt. „Warum haben Frauen heute nicht die Möglichkeiten, die sie zu Jesu Zeiten hatten?“ So wurde jedes Zitat kommentiert. Kliegel-Fischers Fazit lautete: „Jesus hat mit Frauen auf Augenhöhe kommuniziert.“

In den Fürbitten war vorrangig Veränderung das Thema: Frauen ins Priesteramt zulassen, Glaubwürdigkeit von Kirchenvertretern, Lebensgemeinschaften für Priester ermöglichen und Mut für Priester, Bischöfe und Kardinäle, die den Wandel in der Institution vorantreiben.

Zum Abschluss führte Hildegard Gayer einen Schreittanz zu Musik und Gesang an, dem sich zahlreiche Besucher anschlossen. Beim Ausgang gab es Rosen und Buttons zum Anstecken für alle. Mit Gitarren, Geige und Kontrabass sorgten das ABS-Trio Andrea Liese, Brigitte Gemecker-Kopp und Schwester Sabine Voigt zusammen mit Hans Jürgen Gayer für anregende Aufbruchsstimmung.

Die nächste Aktion der Maria 2.0-Streikwoche: ein Film- und Diskussionsabend findet am Mittwoch, 15. Mai um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Dansenberg statt.

Theda Schatteburg, in: Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 110, Montag, den 13. Mai 2019, Seite    23

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