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Krönender Höhepunkt zum Ausklang

|   Heilig Geist

Kirchenmusik in der Marienkirche begeistert über die Ostertage mit starken Vorträgen unter Leitung von Siegmar Junker. Mit Bedacht ausgewählt, fundiert einstudiert und dem Anlass entsprechend würdig aufgeführt: In der Marienkirche setzte sich mit jeder Note über die Ostertage die stilistische Kompetenz des Regionalkantors Siegmar Junker durch.

Am Ostersonntag war sicherlich die konzertante Messe in G-Dur von Franz Schubert einer der krönenden Höhepunkte zum Ausklang seiner in Kaiserslautern erfolgreich geleisteten Aufbauarbeit. Die Messe für Soli, Chor (der Marienkirche) und Orchester – mit Mitgliedern des Pfalztheater-Orchesters – sowie Orgel (Stephan Schlipf) bot dazu ideale Voraussetzungen, eröffnet sie doch die verschiedensten Ausdruckswelten: Das im würdevoll, schreitenden Dreier-Takt majestätisch und gravitätisch einstimmende Kyrie wirkte homogen und nahtlos übereinstimmend in der synchronen Deklamation von Textsilben. Das bewegte und frohlockende Gloria war in dieser Interpretation ein tröstlicher Lobgesang. Der lichte, vorwiegend homophone und vom Chor sehr transparent gestaltete Satz kam auch im Credo zum Tragen. Erst das Sanctus brachte nach einer Einführung eine figurierte, rasch bewegte Auszierung des Textes mit sich – was dem bewährten Konzertchor keinerlei Probleme bereitete. Zunehmend zeigte sich Schuberts Meisterschaft in der Verselbstständigung der Stimmen in homophoner Parallelführung, in Imitation oder Gegenbewegung und Seitenbewegung und dies auch noch mit der Durchführung von Textabschnitten zeitversetzt oder sich überlappend, was heikel ist aber durch Junkers Übersicht stets in harmonischer Vollendung gelang.
Im Orchester sind beispielsweise im Gloria virtuose Skalenläufe zu koordinieren und im Credo wellenartige Streicherbewegungen oder im Sanctus punktierte Rhythmen und tremolierende Tonwiederholungen zu meistern. Die Kammerbesetzung des hiesigen Theaterorchesters blieb in minuziöser Präzision ebenfalls absolut souverän und konzis wie präzis bei diesen anspruchsvollen Abläufen.Die Vokal-Solisten wie Adelheid Fink (Sopran), Thomas Ströckens (Tenor) und Andreas Macco (Bass) waren eine Idealbesetzung, erfüllten und übertrafen die hohen Erwartungen. Sie gestalteten vom Text her, nutzten aber auch die Gelegenheit für die Entfaltung von textlichen Stimmungsbildern. Der Orgelpart war bei Stephan Schlipf in besten, bewährten Händen. Das zweite am Sonntag aufgeführte Werk von Franz Xaver Brixi war eine der interessanten Wiederentdeckungen Junkers, der in den vergangenen Jahren mehr auf die sogenannte Gebrauchsmusik setzte und nicht auf die ganz großen Monumentalwerke: An der Nahtstelle zwischen Spätbarock und Frühklassik steht die Ostermotette für diese gleiche Besetzung: Auch in diesem Werkverlauf gab es Analogien zur Schubert-Messe zu entdecken. Auch hier löst sich nach zunächst homophonem Beginn eine virtuos in Melismen geführte Sopranstimme aus dem Kollektiv, wird dann von den anderen imitiert.
Aus einem anfänglich schlichten Satz entwickelt sich dann so eine motivische Detailarbeit in der Ausschmückung von Texteinheiten – von den Ausführenden entsprechend umgesetzt und transparent in der Stimmführung realisiert.Kontinuierliche Aufbauarbeit zahlt sich aus, das war auch am Ostermontag bei der kirchenmusikalischen Gestaltung der Jungen Kantorei höchst eindrucksvoll zu erleben. Junker war nicht nur „Pionier“ in der (Wieder-)Entdeckung von in Vergessenheit geratenen Musikwerken, er war auch in Deutschland einer der Pioniere in der Kinder- und Jugendchorbewegung: Mit selbst bearbeiteten und aufgeführten Singspielen bis zu europaweiten Chorfreizeiten zwischen Schweden und Spanien und konzertanten Aufführungen setzte er in der Basisarbeit Maßstäbe.
Die Aufführungen der ausgewählten Kompositionen am Montag aus verschiedenen Stilepochen hatten dank der Begleitung eines Streichquintetts mit regionalen Musikern diesen Werdegang vorgeführt: Infolge jahrelanger intensiver Stimmbildung und zielgerichteter Aufbauarbeit singen diese Vokalisten der Jungen Kantorei mittlerweile auf hohem Niveau, mit großer Strahlkraft und Volumen und vor allem in intonatorischer Reinkultur.

Wie berichtet wird Junker zum 1. Juli in die Nordpfalz wechseln, wo er Dekanatskantor der katholischen Dekanate Donnersberg und Kusel wird. Das zukunftsweisende Modell soll nach RHEINPFALZ-Informationen aber weitergeführt werden.

Reiner Henn, in: Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 95 Mittwoch, den 24. April 2019, Seite 19

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