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Kirche muss sich verändern

Erstellt von atr für Joachim Schwitalla | |   1

Was seit langem aus der katholischen Kirche bekannt ist, viele Katholiken ihre Kirche verlassen haben, andere ihr fernbleiben und so mancher unter ihr leidet, das haben Katholikinnen in Münster zum Anlass genommen, die Aktion „Maria 2.0“ ins Leben zu rufen.

 

Vom 11. bis 18. Mai wollen die Frauen keine Kirche betreten und keine Dienste übernehmen. Damit wenden sie sich gegen die Fälle sexuellen und geistlichen Missbrauchs, die Vertuschung und Verdunkelung durch ihre Amtsträger sowie die permanente Ausgrenzung von Frauen von kirchlichen Ämtern.

An Papst Franziskus haben sie ein Schreiben gerichtet, in dem sie die „vielen unbekannten Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art“ sowie „deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger“ anklagen. Ihre Forderungen: Kein Amt mehr für Missbrauchstäter, -dulder und –vertuscher sowie die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte. Sie fordern einen Zugang für Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Initiative in Dansenberg

Zwischenzeitlich hat die im Februar in Münster gestartete Aktion „Maria 2.0“ bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie den Frauen in Münster geht es auch Frauen der Gemeinde St. Peter und Paul in Dansenberg. So wundert es nicht, dass eine Gruppe um Christa Kliegel-Fischer, Mitglied im Gemeindeausschuss, die Initiative ergriffen hat und sich mit den Forderungen der Frauen in Münster solidarisch erklärt, zeitgleich keine Kirche mehr betreten und keine Dienste übernehmen will.

Wie viele Katholiken sind die Frauen der Pfarrei Heilig Geist enttäuscht und wütend über Skandale, bei denen Jugendliche und Ordensfrauen von Priestern weltweit sexuell missbraucht wurden. Viele dieser Verbrechen über Jahre von Bischöfen verharmlost und gedeckt, vom Vatikan zunächst verschwiegen und nur nach und nach an die Öffentlichkeit gelangten. Wer die vom französischen Fernsehsender ARTE Anfang März ausgestrahlte Sendung „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ gesehen hat, weiß, in welchen Abgrund Priester und Würdenträger die katholische Kirche gerissen haben.

Wer soll in dieser Situation den hohen moralischen Anspruch verstehen, den die katholische Kirche an sich und ihre Mitglieder stellt, den selbst viele ihre Vertreter bis in die höchsten Ämter nicht in der Lage sind, zu leben? Kein Wunder, dass so manchem, der den Beitrag von ARTE gesehen hat, gedanklich die Hostie im Halse stecken blieb und die Fastenzeit aktiv zum „Kirchenfasten“ genutzt wurde.

Verständnis für die Nöte der Menschen

Aufrichtig und wohltuend zu Beginn der Fastenzeit die Predigt, die für Hermann-Josef Lücker, Gemeindepfarrer im niedersächsischen Visbek, eine „Herzenspredigt“ war. Aufrichtig und mutig, wie er seine Predigt mitten im Kirchenschiff hält und ausspricht, was viele seiner Gemeindemitglieder bedrückt, und wie ihn, zornig werden lässt.

„Wovon das Herz voll ist, davon kann der Mund nicht schweigen“, beginnt er seine Ansprache und prangert die Tausenden von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche an, über die geschwiegen und die vertuscht wurden. „Bis in die obersten Chargen.“ Den Kirchenoberen wirft er „Rumgeeiere“ vor, wenn es um die Kommunion für Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen geht.

Im Kampf ums Priesteramt ruft er Frauen dazu auf, den „Chefetagen mal Feuer zu machen“, damit sich was bewege. Und was die Sexualmoral der Kirche betrifft, dürfe er zwar „jeden Panzer und jedes Karnickel segnen“, aber keine homosexuellen Paare. Gleichzeitig betont der Priester seine Verwurzelung im Glauben und dass es ihm noch immer große Freude mache, Gemeindepfarrer zu sein. Eine Predigt, wie sie sich Gottesdienstbesucher auch in ihrer Kirche gewünscht hätten. Offen und ehrlich mit Verständnis für die Nöte der Menschen.

Nicht entmutigen lassen

Doch zum Glück gibt es sie, die Katholiken, die sich wie die Frauen in Münster und Dansenberg von klerikalen Skandalen und der Lebensfremdheit der Kirche in einer aufgeklärten Zeit nicht entmutigen lassen, ihre Vorstellungen von einer Kirche aufzeigen, in denen das Wort Jesu nicht nur verkündet, sondern auch gelebt wird.

„Wir wünschen uns eine Kirche, hinter der wir stehen können und in der wir uns wohlfühlen“, heißt es auf einem Flyer, mit dem die Initiative am Sonntag, 12. Mai, 10 Uhr, vor der Marienkirche zu einem alternativen Gottesdienst einlädt. Mit der Aktion, zu der Frauen und Männer aus allen Pfarreien von Kaiserlautern willkommen sind, soll ein Zeichen gesetzt werden, dass die katholische Kirche dringend Veränderungen braucht.

Joachim Schwitalla

Info / Alternativer Gottesdienst:
Sonntag, 12. Mai, 10.00 – 10.45 Uhr vor der Marienkirche.

Film- und Diskussionsabend:
Mittwoch, 15. Mai, 19.30 Uhr, katholisches Pfarrheim St. Peter und Paul.

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