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Abschied von St. Raphael

Erstellt von Joachim Schwitalla, atr für Heilig Geist | |   Heilig Geist

Die Gemeinde St. Raphael nahm am 18. Januar 2020 mit einem Gottesdienst Abschied von ihrer Kirche. Zum Schluss des Gottesdienstes segnete Bischof Karl-Heinz Wiesemann die beiden mit Hostien gefüllten Kelche vor dem leeren Tabernakel mit Weihrauch und überreichte sie den Diakonen Werner Gehrlein und Claudio Caetano. Die überführten das Allerheiligste in die Kirche nach St. Konrad. Danach löschte der Bischof das ewige Licht neben dem Altar.

Ein Akt, dem nicht nur die Gemeindemitglieder von St. Raphael in Einsiedlerhof am Abend des 18. Januar mit Wehmut entgegensahen. Mit dem Verlesen der Profanierungsurkunde hatte Bischof Wiesemann die 1955 errichtete Kirche entweiht. Eine Entscheidung, der zwei Gemeindeversammlungen und ein Beschluss der Pfarrgremien der Pfarrei Heilig Geist vorausgingen.

„Die Profanierung der Kirche bedeutet nicht das Ende des Gemeindelebens“, versicherte Robert Adams, Vorsitzender des Gemeindeausschusses St. Konrad, zu der die Filialgemeinde St. Raphael gehört. Die protestantische Gemeinde in Einsiedlerhof habe den Katholiken Asyl angeboten. Als Zeichen des Aufbruchs packte Adams Gegenstände in einen Rucksack, die im voran gegangenen Pontifikalamt symbolisch für ein aktives Gemeindeleben in St. Raphael gezeigt wurden.

Ein letztes Mal zeigte sich die kleine Kirche neben dem Pfarrheim in Einsiedlerhof gut gefüllt. Eine Kirche zu schließen sei ein ungewöhnlicher Vorgang, sagte Martin Olf, Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist. Sachliche Gründe hätten nach einem langen Denk- und Entscheidungsprozess für die Trennung von Kirche und Pfarrheim gesprochen. „Doch Gott und Kirche verlassen den Einsiedlerhof nicht“, versicherte Olf.

Auch wenn es danach aussehe, dass die Kirche sich auf einem Rückzugsgefecht befinde, habe das Bistum Speyer mit der Übernahme der Trägerschaft des St.-Franziskus-Gymnasiums und –Realschule ein mutiges Zeichen gesetzt und die Bildungseinrichtung langfristig gerettet. Olf dankte Pfarrerin Silke Schwarzstein, die den Katholiken in Einsiedlerhof Räumlichkeiten in ihrem Gemeindezentrum angeboten hat.

Auch wenn es kein freudiges Ereignis sei, sei er gerne gekommen, so Bischof Wiesemann. Einen geweihten Ort, der für die Gemeinde mit wertvollen Erinnerungen verbunden sei, aufzugeben, falle auch einem Bischof nicht leicht. „Gott ist bei uns und Christus geht mit uns in die Zukunft. Denn Kirche besteht nicht aus Stein, sondern aus lebendigen Menschen“, ermutigte Wiesemann die Gemeinde. Das christliche Leben in Einsiedlerhof werde in ökumenischer Verbundenheit weitergehen.

Parallelen zog der Bischof zu seiner Heimatgemeinde mit ebenfalls einer kleinen Kirche. Auch für ihn wäre es ein Schmerz, diesen Ort zu verlieren, der mit einem Stück Lebensgeschichte verbunden sei. Da würde auch ihm das Herz schwer. Gleichzeitig verspüre man in dieser Situation einen Augenblick der Dankbarkeit. Dankbar für ein über Jahrzehnte gelebtes Gemeindeleben, erinnerten Gemeindemitglieder an Augenblicke des Miteinanders in St. Raphael. Symbolisch verwiesen sie mit Gegenständen an besondere Gottesdienste, an Fronleichnam und den Weltgebetstag, an Aktivitäten der Frauengemeinschaft und Ministranten, der Jugend und der Senioren, an Pfarrfeste, Kommunionfeiern, Sternsingen und die Renovierung von Kirche und Pfarrheim in Eigenleistung.

Die Profanierung der Kirche St. Raphael steht im Zusammenhang mit einer Maßgabe des Bistums Speyer. Danach muss sich die Pfarrei Heilig Geist angesichts einer zurückgehenden Zahl von Kirchenbesuchern von einem Teil ihrer pfarrlich genutzten Flächen trennen. Zudem weist der bauliche Zustand von St. Raphael einen sehr hohen Sanierungsbedarf auf, für den die Mittel fehlen. Über eine Veräußerung der Immobilie ist nach Angaben Olfs noch nicht entschieden. (js)

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