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Himmlische Klänge

Erstellt von Katharina Kovalkov | |   3

Ein Bericht aus der RHEINPFALZ von Katharina Kovalkov:

Irischer Folk in Kaiserslauterns „Heiligen Hallen“ – geht das? Und wie das geht! Seit drei Jahren funktioniert diese Mischung so gut, dass das offene Irish Music Meeting Jahr für Jahr mehr Gäste in die Stiftskirche lockt.

 

An diesem Freitag [16.08.19] war es erstmals so richtig rappelvoll um die Musikanten, die mit ihren ausgewählten Nummern ein Stückchen Dublin, Galway und Co. in die Pfalz brachten. 350 Gäste haben sich in die sakralen Gemäuer der Stiftskirche begeben, um den Klängen von der grünen Insel zu lauschen. Die Versammlung der Irish-Music-Musikanten hat sich in der Stadt herumgesprochen und bescherte der diesjährigen Session ein volles Haus - das über den Abend noch zusehends voller wurde.

Im Zentrum saßen die Musiker, gleichberechtigt im Kreis arrangiert wie bei einem zünftigen Unplugged-Konzert. Und mit ihnen die typisch irischen Instrumente - von der Tin Whistle bis zu den Uilleann Pipes, auch bekannt als der irische Dudelsack. Die Musiker kannten sich zwar teilweise nur flüchtig, man begegnet sich gelegentlich in der kleinen, aber feinen irischen Musikszene. Für die Gäste waren aber einige bekannte Gesichter dabei, allen voran Walter Lelle - Musiker, Musiklehrer der Emmerich-Smola-Musikschule und eine ,,Koryphäe der hiesigen irischen Musikszene“, sagt Stefan Bergmann, Pfarrer, Musiker und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftskirche.

Klassiker wie „Molly Malone“, aber auch unbekanntere StückeAber irgendwie schienen an diesem Abend alle Musiker Koryphäen zu sein. Denn was sie da an Klängen in dem alten Kirchenraum erzeugten, war schlichtweg himmlisch. Ohne Plan und ohne Setliste, nur mit ein paar Notenblättern vor sich, spielten die Musikanten - unter ihnen einige aus Lelles Irish-Folk-Truppe „Assana“ und einige aus der Irish-Folk-Gemeinschaft der TU Kaiserslautern - spontan und querbeet bekanntere und unbekanntere Stücke aus dem irischen Songbook.

Von dem populären „Molly Malone“ zu leicht exklusiveren Nummern wie „Should Auld Acqaintance“ ging es durch eine breite Palette schöner Airs, flotter Reels und charmanter Jigs. Und so prachtvoll wie alles durch die Halle schallte, gab es im Publikum nur verträumte Gesichter und nach jedem Lied frenetischen Applaus. Das Zusammenspiel dieser bunt und wild zusammengewürfelten Runde war makellos. Ohne vorab gemeinsam geprobt zu haben, schienen sich die Musiker blind zu verstehen, improvisierten frei und doch mit dem Ohr nah am Spiel der Kollegen. Und vor dem inneren Auge eröffnete sich die weite grüne Landschaft Irlands - von Galway und Mayo bis zu den Mourne Mountains. Man sah die blauen Flüsse, die smaragdgrünen Wiesen und die steinernen Klippen, auf denen ein einsamer Dudelsack-Spieler ins Ferne hinaus pfeift. Und kaum öffnete man die Augen, sah man auf die dich nicht minder schönen steinernen Mauern der Stiftskirche.

Zu den berauschenden Klängen trug vor allem die Stimme von Sonja Osterwinter bei, die nicht nur mit dem gälischen Stück „Téir abhaile riú“ der Musikgruppe Celtic Woman be- und verzauberte. Mit glockenklarem Gesang lenkte sie die Melodien ihrer Kollegen in fast schon traumhafte Sphären.

Ebenso traumhaft wie das Gitarrenduett von Boris Gaspard (Lehrer am Burggymnasium) mit Sohn Fabian oder die feinen Melodien der Songs „Morgan Magan“ und „Carolan’s Dream“. Beide Stücke gehören zu unbekannteren Nummern des irischen Repertoires. Sie stammen von einem blinden Harfenisten aus dem 17. Jahrhundert, der an die Königshöfe der damaligen Zeit gereist ist und dort seine Musik vorführte. Trotz seiner vermeintlichen Bekanntschaft zu Vivaldi, ist sein Name, Turlough O'Carolan, heutzutage nur noch bei den absoluten Kennern der deutsch-irischen Musik bekannt. Dabei „verdanken wir ihm viele schöne irische Melodien“, sagt Stefan Bergmann, der an diesem Abend an Flöte und Klavier harmonierte.

Fast jeden Freitagabend gibt es in der Stiftskirche eine Konzertveranstaltung, „doch dieses Projekt ist ein ganz Besonderes“, sagt der Pfarrer. Und eines, das offenbar immer mehr Leute erleben und genießen möchten. Mal sehen wie viele das Irish Music Meeting beim nächsten Mal in die „Heiligen Hallen“ lockt.

Quelle: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung - Nr. 180, 19. August 2019, Seite 25

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