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Eine Kirche mit vielen Namen - Zur wechselhaften Geschichte der „Unionskirche“

Mit schlichter Schönheit steht die „Unionskirche“ seit 300 Jahren am gleichnamigen Platz mitten in der Innenstadt von Kaiserslautern. Im Jahr 1711 wurde der Grundstein für diese Kirche gelegt, die der damaligen lutherischen Gemeinde als Gotteshaus dienen sollte. Die Lutheraner waren in Kaiserslautern lange eine Minderheit, feierten ihre Gottesdienste in Wohnzimmern oder unter freiem Himmel. Um 1700 erst bildet sich eine selbständige lutherische Gemeinde, die den Bau einer eigenen Kirche in fußläufiger Nähe zur reformierten Stiftskirche beschließt.

Im Jahr 1717 findet der erste Gottesdienst in der lutherischen Pfarrkirche statt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts tritt langsam Tauwetter zwischen den Konfessionen ein, Lutheraner und Reformierte nähern sich einander an. Vielleicht auch wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen, die die Stadt Kaiserslautern in diesen Jahrzehnten immer wieder beuteln. Als die Franzosen 1797 abziehen, hinterlassen sie ruinierte Kirchen. Aber die lutherische Gemeinde gibt nicht auf, setzt ihre Kirche wieder instand. Und mit den Feierlichkeiten zum 300. Reformationsjubiläum nimmt schließlich die pfälzische Kirchenunion ihren Lauf:

Nachdem bereits im Januar 1818 in Kaiserslautern eine Lokalunion zwischen Lutheranern und Reformierten geschlossen wird, kommt es im August desselben Jahres schließlich zur Vereinigung aller Protestanten und Protestantinnen im damaligen bayerischen Rheinkreis, der heutigen Pfalz. Die Generalsynode, die im August 1818 in Kaiserslautern im damaligen Stadthaus tagt, beginnt und endet ihre Beratungen mit einem feierlichen Zug über die lutherische Kirche zur reformierten Stiftskirche und setzt auch dadurch ein Zeichen für Vereinigung.

Nach diesem Höhepunkt kirchlichen Lebens geht es mit der Kirche am Unionsplatz leider steil bergab. 1831 wird die Benutzung aufgegeben, Gassenbuben werfen die Fenster ein, die Kirche steht mehr oder weniger leer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Kirche notdürftig instandgesetzt und auch wieder genutzt – allerdings von den Altkatholiken. 1871 liest Pfarrer Peter Kühn eine Weihnachtsmesse, die auch von Protestanten besucht wird.

Einige Jahre zuvor erhält die Kirche eine neue Glocke, nachdem die alten Glocken von den Franzosen beschlagnahmt worden waren. Gegossen von Georg Hamm wiegt die Glocke 262 kg und trägt die Inschrift „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“. Bis heute ist sie die älteste Glocke Kaiserslauterns.

Im Übergang zum 20. Jahrhundert wurde die Kirche nach und nach renoviert: Innengestaltung, Orgel, Heizung. Auch ein Kreuz findet den Weg auf den Altar der Lutherkirche, die anders als Stiftskirche und Apostelkirche im Zweiten Weltkrieg keinen Schaden nimmt und auf diese Weise in den Nachkriegsjahren für viele Kaiserslauterer kirchliche Heimat wird. Bis in die 60er Jahre trägt die Kirche offiziell den Namen „Lutherkirche“.

In der wachsenden Stadt Kaiserslautern wird 1966 eine neue Lutherkirche am Messeplatz ausgegründet, seither heißt die Kirche am Rittersberg „Kleine Kirche“. Unter diesem Namen ist sie vielen Kaiserslauterern noch immer lieb und teuer, weil sie mit diesem Ort feierliche Momente ihres Lebens verbinden. Während der Sanierung der Stiftskirche Ende der 60er Jahre ist sie Heimat für die Stiftskirchengemeinde, als in den 70ern die Martinskirche erneuert wird, hat die katholische Martinsgemeinde hier Gastrecht. Ende der 70er zeichnet sich die Notwendigkeit einer Generalsanierung ab, die 1990 umgesetzt wird. Seither war die Kleine Kirche neben der Stiftskirche Gotteshaus der protestantischen Stiftskirchengemeinde.

In diesem Jahr nun feiert die Evangelische Kirche der Pfalz das 200jährige Jubiläum der Kirchenunion, in deren Geschichte die Kleine Kirche eine zentrale Rolle spielt. Aus diesem Grund hat der Bezirkskirchenrat Kaiserslautern, der zwischenzeitlich die Verantwortung für diese Kirche übernommen hat, im Frühjahr 2018 beschlossen, diese Bedeutung auch im Namen der Kirche festzuhalten, die nun „Unionskirche“ heißt. Mit dem davor liegenden Platz, dem Unionsplatz, markiert sie einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte unserer Kirche und steht gleichzeitig mit ihrem Namen programmatisch für Zukunft: getragen vom guten Geist Gottes Trennendes überwinden, Gemeinsames stark machen und miteinander christlichen Glauben leben. Ganz im Sinne der pfälzischen Kirchenunion unter dem Motto: „Mutig voran“!