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Neue Akzente und Aufbruchstimmung

|   Stiftskirche

Akzentverschiebung in der Jugendarbeit und Szenenwechsel mit der Verlagerung in die dafür viel zu kleinen Unionskirche – die jüngste Marktmusik zeigte in doppelter Hinsicht Veränderungen auf. Die eine könnte richtungsweisend sein: War vor Jahrzehnten Jugendarbeit in der Kirchenmusik die Hinführung zur klassischen Chorliteratur der Kantoreien, so gewinnt Kinder- und Jugendpädagogik zunehmend an Eigendynamik.

Mittlerweile erreichen Aufführungen der vier Abteilungen der evangelischen Singschule (Kirchenmäuse, Kinderkantorei I und II, Jugendkantorei) eine gesangstechnische Qualität, auf die viele Kirchenchöre mit Neid blicken könnten.Das liegt an der intensiven zusätzlichen Stimmbildung durch Konzert- und Oratoriensängerin Antonietta Jana, die am Samstag auch wieder Solopartien übernahm.

Aber auch an der stilistischen Akzentverschiebung hin zu zeitgenössischen Werken mit Einflüssen von Jazz, Blues und Pop, was letztlich wieder mehr choreographische Gestaltung implizierte. Und es liegt an den szenischen Aufführungen von Musicals, die mit Instrumentalsoli aufgepeppt werden. Am Samstag steuerte Sopran-Saxophonistin Claudia Botzner, unterstützt von Lydia Arnold (Cajon), eine eigene Note bei. Beide bewiesen ebenfalls jene Vielseitigkeit, die Höhenflüge begünstigt.Im Musical „Eddie und die Weihnachtskugel“ von Ralf Grössler kamen die neuen Aspekte mit enthusiastischer Aufbruchstimmung zum Tragen; gebremst nur durch den leidigen Umzug von der Stifts- in die Unionskirche, weil sich letztere als zu klein erwies. Schade!
Dennoch bewährte sich das Konzept von Bezirkskantorin Beate Stinski-Bergmann, die einmal mehr von Eva Klamroth bestens unterstützt wurde, wobei sich beide in Leitung und Klavierbegleitung abwechselten. Mika Junker als Eddie und Antonia Bergmann als Engel und weitere Solopartien zeigten, dass hier ungeahnte solistische Fähigkeiten schlummern, die immer wieder geweckt werden.

Die Jugendkantorei demonstrierte eindrucksvoll, dass sich auch hinter klassischen Werkangaben wie „Magnificat“ moderne Strömungen verbergen können. Anklänge an Gospel, Spiritual und Blues waren offenkundig. Dies galt noch mehr für Ausschnitte von „Missa in Jazz“, die die Jugendkantorei in stimmlicher wie intonatorischer Reinkultur und mit lebhaft pulsierendem Elan präsentierte.

Reiner Henn, in:Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 287, Dienstag, den 11. Dezember 2018, Seite 17

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