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Nicht nur im November

Erstellt von Joachim Schwitallas | |   3

Sie sind sicherlich keine Touristenattraktion. Dennoch nimmt sich so mancher Urlauber die Zeit innezuhalten. So auch auf dem kleinen Bergfriedhof in Barbian in Südtirol. An einem Hang im Eissacktal um die Pfarrkirche mit ihrem schiefen Kirchturm gelegen, setzen die warmen Strahlen der Oktobersonne Gräber und Kreuze noch einmal ins rechte Licht. Doch zwischen farbigem Sommerflor kündet Herbstbepflanzung bereits von der stilleren Jahreszeit.

In Reih und Glied liegen die kleinen von Kieselsteinen umsäumten Gräber dicht beieinander. Mit ihren schmucken schmiedeeisernen Kreuzen, eines schöner als das andere. Noch einmal lassen Sonnenstrahlen unter blauem Himmel die kreative Handwerkskunst aufleuchten. 

Die Toten haben ihren Frieden gefunden. Für Einheimische ist es selbstverständlich, vor oder nach dem Gottesdienst, die Grabstellen ihrer lieben Verstorbenen aufzusuchen. Auch der Einkauf im Laden neben der Kirche hält sie nicht davon ab, auf dem Kirchhof vorbei zu schauen, kurz innezuhalten und in Gedanken vor einem Grab zu verweilen. Kirche und Friedhof gehören in dem Bergdorf zum Alltag, zum täglichen Leben.

Die Toten sind nicht vergessen. Ihre schlicht geschmückten Gräber spiegeln die Verbundenheit zwischen Angehörigen und Verstorbenen wider.  Lange ist es her, dass der Friedhof in unseren Städtenzum Stadtbild um die Kirche gehörte. Mit wenigen Ausnahmen sind die letzten Ruhestätten heute am Rande des urbanen Lebens angesiedelt.

Der Tod scheint verdrängt, passt nicht zum bunten Leben einer aufgeklärten und fortschrittsorientierten Gesellschaft, deren Kirchen immer leerer werden. Und dennoch ist der Tod täglich präsent. Er macht nicht halt, weder vor jung noch alt, vor arm noch reich. Der Tod gehört zum Leben. 

Im Monat November erinnern stille Tage wie Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Buß- und Bettag an Sterben, Tod und Vergänglichkeit. Einmal mehr wird uns die Endlichkeit des eigenen Lebens bewusst. Als Christen wissen wir, dass der Tod nicht das Letzte ist. Auf Karfreitag Ostern folgt.  Und wenn wir die Gräber unserer Angehörigen im Monat November noch einmal im Grau der dunklen Jahreszeit zum Blühen und Leuchten bringen, dann, weil die Verstorbenen in unseren Herzen weiter-leben. Sie ein Teil von uns sind. Nicht nur im November.

Text und Foto: Joachim Schwitalla

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