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Ergriffenheit und Freude

Erstellt von Andreas Keller, RHEINPFALZ | |   Stiftskirche

Werke von Schubert und Puccini begeistern beim Konzert in der Stiftskirche Von Andreas Keller Welch ein Gegensatz: Draußen vor der Stiftskirche regnete es in Strömen, blitzte und donnerte es, aber drinnen im gut besuchten Gotteshaus wurde dem Publikum am Sonntagnachmittag ein strahlendes, tief unter die Haut gehendes Konzert der qualitativ und inhaltlich besonderen Art präsentiert.

Es waren gleich zwei anspruchsvolle Werke, mit denen die Ausführenden über fast anderthalb Stunden hinweg beeindruckten. Als erstes, man ist versucht zu sagen: „zum Aufwärmen“, spielten Mitglieder der Kammerphilharmonie Mannheim unter der sicheren Leitung von Bezirkskantorin Beate Stinski-Bergmann die Sinfonie Nr. 5, B-Dur von Franz Schubert, der diese im Alter von nur 19 Jahren komponiert hatte. Natürlich sind in diesem Frühwerk noch starke Orientierungen an hehren Vorbildern und Traditionen auszumachen – allen voran an Mozart, der im dritten Satz dieser kürzesten aller Schubert-Sinfonien quasi hindurchschimmert. Dennoch offenbart das Werk aber bereits die Ergebnisse einer erfolgreichen Suche nach persönlichen Wegen und eigenem Ausdruck. Manche kleinen Details, die sich aus der Biographie Schuberts ableiten mögen (so das melodisch-verspielte Allegro, das seinerzeit einen Kritiker zu Recht an urige Wiener Straßenlieder erinnerte), markierten dabei wohl schon mögliche Fixpunkte eines Personalstils.
Ein weiteres Frühwerk eines großen Meisters bildete den zweiten und noch gewichtigeren Teil des Konzerts. Giacomo Puccini komponierte seine „Messa di Gloria“ lange vor seiner Karriere als Opernkomponist als Abschlussarbeit seines Studiums. Obwohl die Uraufführung der vertonten katholischen Messe 1880 sehr erfolgreich war, wurde das Werk für Orchester, Chor und zwei Sänger erst 1952 wieder und danach eher selten aufgeführt.
Allein in dieser Hinsicht war die Darbietung in der Stiftskirche schon eine Besonderheit. Sie wurde es außerdem und besonders durch die Qualitäten der Aufführenden. Neben den Mitwirkenden aus der renommierten Kammerphilharmonie Mannheim waren nun auch der leistungsfähige Kammerchor der Stiftskirche und insbesondere Pfalztheater-Sänger Daniel Kim (Tenor) und der Heidelberger Bass Michael Roman beteiligt. In einer absolut fugenlosen Kooperation gestalteten sie das fünfteilige Werk in allen seinen technischen und interpretatorischen Herausforderungen zwischen ernster Ergriffenheit und vitalisierender Freude. Besonders beeindruckend erschienen dabei die expressiven Gesangsbeiträge der Vokalisten, die dann im „Agnus Dei“, dem letzten Part des Werks, die „Messa di Gloria“ abrundeten. Hier wurden alle künstlerischen Ressourcen genutzt, alle Fähigkeiten eingebunden.
Minutenlanger, stürmischer Applaus waren der Dank des Publikums für ein erstklassiges Konzert.

Andreas Keller, Quelle: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung - Nr. 223, 25. September 2018, Seite 16

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Foto: M. Hoffmann