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Pilotprojekt wird zur Erfolgsgeschichte

Erstellt von Reiner Henn | |   1

Zweite Irische Nacht in der Lauterer Stiftskirche übertrifft mit rund 400 Besuchern und über 30 Musikern alle Erwartungen.

Die zweite Irische Nacht übertraf am Freitag in der mit mehr als 400 Besuchern und etwa 30 Musikern dicht besetzten Stiftskirche alle Erwartungen. Diese Resonanz und der in künstlerischer Hinsicht auch Riesenerfolg waren noch mal größer als das Pilotprojekt genau vor einem Jahr, das Pfarrer Stefan Bergmann und der Dozent der Städtischen Musikschule, Walther Lelle, zusammen aus der Taufe gehoben hatten.

Durchpulst von den bestrickenden Klangreizen eines – aus unserer Sicht – teilweise exotischen und ungewöhnlichen Instrumentariums war die in einer Art Hufeisenform bestuhlte Stiftskirche ganz erfüllt von dem Flair irischer Musik. Entsprechend dem Charakter eines Irish Folk Meetings kamen bekannte Traditionals zur Aufführung, die zum abwechselnden und auch gemeinsamen Musizieren einluden. Ergänzt durch Raritäten und Kuriositäten, wobei das als Moderator und Organisator erfolgreiche Duo mit Pfarrer Bergmann und Dozent Lelle mit mutiger Entschlossenheit und gutem Beispiel voranging: Wer hätte gedacht, dass in den historischen Wurzeln der irischen Musik, so im Barock-Zeitalter, der irische Dudelsack mit seiner chromatischen Befähigung und Eignung für verschiedene Tonarten und Oktavlagen als Pendant für das Cembalo in der höfischen Kammermusik eingesetzt wurde? Davon kündeten erlesene Klangbeispiele im zweiten Teil, die bewusst machten, wie sehr sich der irische Vertreter der „Pipes“ (Uilleann Pipes genannt) sich wesentlich vom schottischen Pendant dieser Instrumentenfamilie unterschiedet: Lelle betätigte mit dem Ellenbogen den Blasebalg, der die Luft für die Regulatoren einströmen lässt, die wiederum mit einer Klappenmechanik wie eine Oboe entsprechende Begleitakkorde ermöglichen. Die mit einem Doppelrohrblatt bestückte Melodiepfeife erklärt die klangliche Ähnlichkeit mit der Oboe, die drei Drones (Bordunpfeifen) und die gedackten Pfeifen der Regulatoren lassen auch eine Verwandtschaft mit der Kirchenorgel erkennen, was zu hoher Verschmelzung der beiden Instrumente (Bergmann an den Tasteninstrumenten und Lelle am Dudelsack) führte. Nur waren diese Aufführungen manchmal getrübt von geringfügigen Intonationsunterschieden zwischen den beiden Instrumenten.

So betrachtet waren diese Vorführungen auch ein kleines klingendes Kompendium der irischen Musikgeschichte und in der Folge auch eine Art klingende Instrumentenkunde: Tin und Low Whistle (etwa von Angela Hansen meisterhaft gespielt) oder ihre Handtrommel (Bodhran) sorgen schon für ungewöhnliche Klänge. Wurden aber durch die betörende Klangschönheit von irischen Harfen (Kathrin Hirschelmann oder Chiara Müller) in der Subtilität und melodischen Anmut noch belebt. Vor allem die Flötenfamilie zeigte gravierende Unterschiede der Spielweise zwischen Längs- und Querflöten (letztere aus Holz) auf, wobei sich dies auch klanglich in vielen Facetten auswirkte. Irischer Dudelsack, Flöten und Geigen als Melodieträger, Harfen und diverse Tasteninstrumente (Klavier, Concertina etwa) als Klangfüller. Dazu kam der lebhaft pulsierende, tänzerisch inspirierte Rhythmus aus Gitarren, sowie Thomas Erdmanns Banjo und Bouzouki (Schalenhalslaute).

Mit den Perkussionsinstrumente ergab dies eine bisweilen orchestrale Klangfülle, die aber dennoch sehr durchsichtig und beweglich wirkte. Ohne Dirigent fanden sich die Ensembles der Musikschule (Assana) und jenes der Technischen Universität zu einem akkuraten und vor allem von der Melodik beseelten Spielweise. Während sich das Ensemble Assana unter der langjährigen Leitung von Walther Lelle einen bemerkenswert gehobenen Standard erarbeitet hat und in der tadellosen Spieltechnik und im genauen Zusammenspiel Maßstäbe setzt, war aber auch Raum und Podium für Gäste und mutige Einsteiger: Allen voran verblüffte die erst achtjährige Geigerin Elisabeth Triebsch, die ihr derzeitiges Repertoire an irischen Polkas mitbrachte und vielversprechend – unterstützt von anwesenden musikalischen Begleitern auf Gitarre etwa – aufführte.

Bei den Standardtiteln lebt die Musik in ihrer formalen Struktur von der Wiederholung von melodischen Viertaktgruppen, die nach einigen Wiederholungen etwa einen kontrastierenden Einschub haben. Dies nutzten die Ausführenden, um bei Wiederholungen in diesen Jigs und Reels wechselnde Instrumente einzusetzen, sodass sich scheinbare Dialoge bildeten, die wiederum im Wechsel der Klangfarben den Reiz ausmachten. Als furioser Ausklang beherrschten einige die Kunst des Double Time mit rasanter Tempoverdopplung. Das fuhr jedem Besucher in die Beine.

Quelle: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung - Nr. 198, Montag, 27. August 2018, Seite 25

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