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Volle Kirche und kreatives Programm

Erstellt von Joachim Schwitalla | |   Stiftskirche

Das 500. Reformationsjubiläum ist Geschichte, auch in Kaiserslautern. Wie hat Kaiserslautern an das Leben und Schaffen von Martin Luther erinnert, der an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen anschlug? Was ist davon hängen geblieben?

Beeindruckt von der Kreativität, die Gemeinden im Jubiläumsjahr entwickelt haben, zeigte sich Dekanin Dorothee Wüst. Jede Gemeinde habe versucht, das Reformationsjubiläum mit Leben zu füllen, verweist sie auf besondere Gottesdienste, auf Vorträge über Martin Luther, auf Diskussionsrunden, humorvolle Darbietungen und Theateraufführungen über das Leben Luthers. Mit einem Aktionstag Ende Oktober hätten alle 19 protestantischen Kindertagesstätten im Innenhof der Stiftskirche einen Einblick in das Leben von Martin Luther gegeben. „Ich war erstaunt, was die Kinder alles über Luther wissen. Da muss übers Jahr viel Arbeit in den Tagesstätten geleistet worden sein“, so die Dekanin. Noch nie hat Dorothee Wüst die Stiftskirche so gut besucht gesehen wie beim Festgottesdienst zum Reformationstag. „Jeder verfügbare Sitz und Stehplatz war belegt. Alle Generationen waren vertreten, Protestanten und Katholiken, Christenmenschen waren es, sich eingefunden hatten.“ Das Reformationsjubiläum sei kein exotisches Nischenfest gewesen, verweist sie auf bundesweite Veranstaltungen mit „vielen Akteuren und Facetten auf unterschiedliche Bühnen“. Parallel zum Kirchenbezirk Kaiserslautern habe die Landeskirche mit viel Fantasie und Kreativität ihren Beitrag geleistet, an Martin Luther zu erinnern. „Das hat uns alle qualitativ ein Stück nach vorne gebracht und zusammengeschweißt.“
Positiv bewertet Dorothee Wüst, dass es kaum eine Veranstaltung gegeben habe ohne einen Bezug zur Ökumene. „Ich wurde von mehreren katholischen Gemeinden eingeladen, und viele Katholiken besuchten evangelische Gottesdienste.“ Kirchenspaltung und Ökumene seien ein Thema gewesen. „Gleichzeitig war zu spüren, wie die Basis zusammenwächst und was wir als Christen trotz existierender Hindernisse gemeinsam tun können.“
Doch kaum ist das Reformationsjubiläum zu Ende, warten auf Dekanin Dorothee Wüst neue Vorbereitungen für das nächste Jubiläum. „Ich freue mich auf das Unionsjubiläum der Evangelischen Kirche der Pfalz im Jahr 2018, auf die damit verbundene Tagung der pfälzischen Landessynode im Mai in Kaiserslautern und den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten Anfang September 2018 in Kaiserslautern.“ Anlass des Unionsjubiläums ist der 1818 erfolgte Zusammenschluss reformierter und lutherischer Christen zur pfälzischen Union, zur Evangelischen Kirche der Pfalz.
Seinen Niederschlag hat das Reformationsjubiläum auch im Stadtmuseum Kaiserslautern gefunden. Dort erinnert eine Sonderausstellung im Wadgasserhof an das Leben und Wirken von Martin Luther. „Neuer Himmel – Neue Erde: Die Reformation in der Pfalz“ ist die Ausstellung überschrieben, die in Kooperation mit den Stadtmuseen Zweibrücken und Ludwigshafen entstanden und noch bis 30. Juni 2018 zu sehen ist. Bislang sei die Ausstellung sehr gut angenommen worden, verweist Museumsleiter Bernd Klesmann auf eine positive Resonanz. Neben zahlreichen Besuchern hätten Schulklassen und Kirchengemeinden vom dem Angebot Gebrauch gemacht. Da die Ausstellung in der ersten Etage des Wadgasserhofs zu sehen sei, eigne sie sich gut für Führungen. Besonders sehenswert seien ein Bleiglasfenster von 1540 mit einer Darstellung Kaiser Barbarossas vor einer Ansicht der Stiftskirche, ein Schrank aus dem Besitz der Familie Pfaff, gefertigt aus abgebautem Chorgestühl der Liebfrauenkirche in Worms, und eine „Lufft-Bibel“. Die Bibel sei ein seltene und wertvolle Leihgabe aus der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken. Eine Bibel nach Luthers Übersetzung, die in Wittenberg 1543 bei Hans Lufft gedruckt wurde, erläutert Klesmann.

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