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Etwas vom Pfingstfeuer ist spürbar geworden

Etwas vom Pfingstfeuer ist spürbar geworden
Kirchen zeigen sich in der Nacht zu Montag kreativ und gastfreundlich.
Viele Menschen zog es in der Nacht zu Pfingstmontag in die Kirchen der Stadt. Die hatten ihre Türen weit geöffnet, zeigten sich kreativ und gastfreundlich. Mit einer Vielfalt kultureller und gottesdienstlicher Darbietungen begeisterten sie Jung und Alt.
„Nachtsleben“, die vierte Nacht der Kirchen, ließ etwas vom Feuer spüren, das der Heilige Geist am Geburtstag der Kirche verströmt. Bei hochsommerlichen Temperaturen, die bis in die späten Abendstunden herrschten, waren die kühlen Kirchenräume einmal mehr gefragte Aufenthaltsorte. Zum angenehmen Klima trugen Konzerte, Tanz, Meditation, Gesang, Stille und Gebet zu einer dichten und nicht alltäglichen Atmosphäre bei. Mit über 80 Veranstaltungen an mehr als 20 Kirchenorten zeigten Katholiken, Protestanten und mehrere evangelisch-freikirchliche Gemeinden, wie anders und einladend Kirche sein kann.Mitternacht ist es, als sich die Menschen zwischen Friedenskirche und der Kirche St. Theresia im Uniwohngebiet um ein offenes Feuer versammeln und den Abend mit meditativen Texten beschließen. Unter sternenklarem Himmel und leuchtendem Mond lassen sie sich von Gedanken über die Kraft und die Ausstrahlung des Geistes inspirieren. Wohltuend zuvor der musikalische Lobpreis in der vom Kerzenlicht erfüllten farbigen Kirche St. Theresia, in der sich der Posaunenchor Mölschbach und Oliver Schreyer an der Orgel mit Darbietungen abwechselten. Fantastisch mit zu erleben, wie die Pianistin Jaemie Sitzmann in der Friedenskirche bei einem den Kirchenraum füllenden Projektchor die Lust am Singen weckt, Kirche froh und lebendig werden lässt. Etwas ruhiger geht es zu, als die Sänger, angeführt von Pfarrerin Dorothea Helfrich, im Wiegeschritt von der Friedenskirche nach St. Theresia ziehen. Eindrucksvoll dabei die Begleitung durch Dirk Dannowski auf seiner Klarinette mit Klezmer-Musik.

Auf dem Bännjerrück hat sich die Versöhnungskirche in eine Jazzbühne verwandelt. Gut gefüllt zeigen sich die Stuhlreihen. Unter den Besuchern auch Altdekanin Angelika Keller. Für das Jazzical von Bach bis Brubeck haben sich um Trompeter Ralph (Mosch) Himmler, den Saxophonisten Helmut Engelhardt und den Pianisten Volker Klimmer befreundete Musiker eingefunden. Einem emotionalen Auftakt mit „Air“, begleitet von einem weichen und einfühlsamen Trompetenspiel, folgt ein Kinderlied. „Im Regen“ heißt das musikalische Intermezzo, das die kleine Lisa Klimmer zusammen mit ihrem Opa am Klavier vorträgt. „Singing in the rain“: „Nein, nicht schon wieder ein Regenlied“, findet Sängerin Lisa Mosinski und entscheidet sich für den nächsten Titel „A night like this“. Tänzelnd zum jazzigen Rhythmus und mit klarer Stimme flutet sie den Kirchenraum. Und als das „Halleluja“ erklingt, war es wieder da, das Brausen im Kircheninnern, das an das Pfingstfest erinnert. Bewegt und kraftvoll auch die Bilder von Christine Klimmer, die per Beamer eingespielt werden und mit ihren Farbflächen die schwarz-weißen Tasten eines Klaviers variieren.

Umgeben von dicht frequentierten Straßencafés, in denen die Menschen den sommerlichen Pfingsttag bei Apérol und Weizenbier ausklingen lassen, hat die Mobile Kinder- und Jugendkirche auf dem Martinsplatz Station gemacht. Mitglieder der Katholischen Jugend laden Passanten ein, ein Labyrinth zu begehen, das auf dem Boden ausgebreitet ist und in dessen Mitte eine Kerze mit dem Pfingstfeuer brennt. „Wie im Leben gelangt man oft nur auf Umwegen ans Ziel“, erläutert Petra Benz, die Leiterin der Jugendzentrale. Nicht nur Jugendliche wie Julia, Nele und Felix versuchen ihren Weg im Irrgarten des Labyrinths zu finden. Auch Erwachsene sind mit einem Teelicht in der Hand auf der Suche nach der Lebensmitte.

Das Innere der Martinskirche ist nicht wiederzuerkennen. Umgeben von einer Lichtinstallation, die den Kirchenraum vom Boden bis zur Decke in warme Rot- und Blautöne taucht, hat die Nacht der Lichter begonnen. Mit ihr ein Stück Taizé in Kaiserslautern. Rappelvoll sind die Kirchenbänke. Der Altarraum gleicht einem Lichtermeer. Mit Liedern aus der ökumenischen französischen Brudergemeinschaft und Gebeten und Fürbitten in mehreren Sprachen gestalten Katholiken, Protestanten und Mennoniten einen stimmungsvollen und internationalen Gottesdienst.

Wie die Kraft des Geistes stärkt und verbindet, zeigt ich im ökumenischen Miteinander der Kirchen in Kaiserslautern. Gemeinsam erinnern Protestanten und Katholiken an die Folgen des Ersten Weltkrieges. Nach einem Filmabend „Im Westen nichts Neues“ in der Lutherkirche, zu dem als erster Gast ein katholischer Militärgeistlicher der US-Armee erscheint, findet in der Stille der Nacht in der Kirche Maria Schutz ein gemeinsames Gedenken „100 Jahre Erster Weltkrieg“ mit einem musikalisch-meditativen Nachtgebet statt.

Begonnen hatte die Kirchennacht am frühen Abend mit der Aussendung des Pfingstfeuers in der Stiftskirche. Gut besucht zeigte sich die Feier, die von Pfarrer Stefan Bergmann, Kaplan Peter Vatter und Pastor Volker Kempf von der Evangelisch-Methodistischen Erlöserkirche geleitet wurde. Vor einer Lichtinstallation, einem fast deckenhohen Kreuz im Chorraum, spannte Bergmann den Bogen vom Kreuz als Todessymbol hin zum Kreuz als Zeichen der Hoffnung. Vom Geist, dem Funken, der am Geburtstag der Kirche überspringt, kündete die vom Videokünstler Ralf Kopp geschaffene interaktive Lichtinstallation, die Töne in Form eines Kreuzes umsetzt. Bei Chormusik rund um den Heiligen Geist mit dem Westpfälzischen Kammerchor unter Leitung von Beate Stinski-Bergmann lud die Installation zur Meditation ein. Zuzuschauen wie sich die Mitte des Kreuzes in Farben und Formen auflöst, diese sich in alle Himmelsrichtungen bewegen, sich begegnen und miteinander verbinden, ermutigte zu einem Weg der Verschiedenheit in enger Verbundenheit.

Joachim Schwitalla (in: Die Rheinpfalz - Pfälzische Volkszeitung - Nr. 132, Dienstag, den 10. Juni 2014, Seite 19)