Die neue Orgel
»„Ein typisches Kind seiner Zeit“
Nach Schließung und Umwidmung der Kirche Christ König auf dem Lämmchesberg wird ein Teil von ihr weiterleben. Ihre Orgel wurde ausgebaut und gelagert. Jetzt soll das Instrument der künstlerischen Ausgestaltung der Pfarrkirche St. Theresia nachempfunden und auf deren Empore errichtet werden.«
Einst erklang sie auf der Empore der Pfarrkirche Christ König. Bei freudigem und traurigem Anlass, bei Werktags- und Sonntagsgottesdiensten übernahm die Orgel eine wichtige Rolle in der Liturgie. Sie ertönte zur Ehre Gottes und war der Gemeinde ein liebgewordener musikalischer Begleiter. Mit der endgültigen Schließung der katholischen Kirche auf dem Lämmchesberg im Herbst 2007 stand auch die Orgel zur Disposition.
Für Pfarrer Friedrich Schmit, der zeitgleich die neu geschaffene Pfarrei St. Theresia, bislang Filialgemeinde der Pfarrei Christ König, übernahm, war die Situation Anlass zum Handeln. „Die Orgel konnte nicht einfach verschwinden. Fast 40 Jahre hat sie den Gläubigen von Christ König gute Dienste geleistet. Die Leute haben sich für die Orgel engagiert. Es wäre doch schön, die Orgel an einem benachbarten Ort wieder entdecken zu können“, sinnierte der Pfarrer.
Anstatt in Zeiten schwacher Finanzen viel Geld für eine neue Orgel auszugeben, favorisierte er den Umbau des alten Instruments. Mit seiner Idee, die Orgel auf der Empore der Kirche St. Theresia neu erklingen zu lassen, rannte er bei Norbert Weis, dem Generalvikar des Bistums Speyer und Diözesanbaumeister Heinrich Hartmann offene Türen ein. Während die saarländische Orgelbaufirma Hugo Mayer die Orgel Anfang 2008 demontierte und die Einzelteile im Betrieb in Heusweiler in klimatisierten Räumen zwischenlagerte, gelang es Schmit und Hartmann Professor Heinz Mack, den für die farbige Ausgestaltung des Innenraums von St. Theresia verantwortlichen Künstler aus Mönchengladbach, mit ins Boot zu nehmen. Alle vier: Pfarrer, Diözesanbaumeister, Künstler und Orgelbauer sind davon überzeugt, aus dem alten Instrument eine Orgel zu formen, die sich harmonisch in das Gesamtkunstwerk St. Theresia einfügen und die künstlerischer Ausgestaltung und die Liturgie bereichern wird.
„Gestaltende Kunst und Musik sind Geschwister der Religionen“, weiß Schmit. „Mit ihrer Präsenz tragen sie dazu bei, Menschen die Funktion des Himmlischen im Irdischen erkennen zu lassen.“ Hartmann kann sich gut vorstellen, die Breitenwirkung, die die Orgel in Christ König dominierte, der neuen Raumstruktur anzugleichen. „Auf der Empore von St. Theresia muss die Orgel an Höhe gewinnen.“ Seiner Darstellung nach sollte das Bild der Orgel mit der Mandorla, dem Unendlichkeitsbild hinter dem Altar, als Gegenpol korrespondieren. Entwürfe für den Umbau der Orgel, die der Diözesanbaumeister zwischenzeitlich anfertigte, fanden bei einem Besuch im Atelier von Heinz Mack die Zustimmung des Künstlers. Erfreut zeigte sich dieser, dass St. Theresia mittlerweile den Status einer Pfarrei hat und Pfarrsitz der Pfarreigemeinschaft mit St. Rochus in Hohenecken und St. Peter und Paul in Dansenberg geworden ist. Das erhöhe die Besucherfrequenz in der Kirche und trage zur Lebendigkeit der Gemeinde bei, so Mack.
Nach wie vor ist der international bekannte Maler und Bildhauer von der künstlerischen Gestaltung des Innenraums der Kirche überzeugt. Ohne die künstlerische Gestaltung gerate die Kirche in die Nähe eines Fabrikbaus, so Mack. Er hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, Ideen zur Form des Orgelprospekts und zur Farbgebung einzubringen. Als Frontansicht favorisiert Mack in Anlehung an das Altarbild die Form einer Lichtkrone. „Der in dunklen Farben gehaltene Raum um die Empore sollte etwas Krönendes haben.“ Da seine Kunst von der Lichtinszenierung lebt, würde er die Krone gerne in den Farben Silber und Gold halten. „Das entspricht einer metaphorischen Logik.“
Es wäre nicht die erste Orgel, bei der Heinz Mack persönlich Hand zur Bemalung anlegt. Der Orgel in der Kirche des Collegium Marianum, einem erzbischöflichen Vorseminar in Neuss, hat der Künstler ein Gehäuse in blauen Farbtönen verpasst. Nach Darstellung von Stephan Mayer, dem Geschäftsführer des Orgelbaus Hugo Mayer, der Firma, die den Umbau vornehmen soll, befindet sich das Instrument in keinem schlechten Zustand. „Es ist ein typisches Kind seiner Zeit.“ Jetzt gelte es, für die Orgel eine Hülle zu schaffen, die dem Raum gerecht wird. Er rechnet mit einer Bauzeit zwischen drei und sechs Monaten.
Für Oliver Schreyer, den Organisten von St. Theresia wäre die neue Orgel ein gute alte Bekannte. Fast 20 Jahre hat er das Instrument in Christ König erklingen lassen. „Sie verfügt über einige Register, die es gelte, zu erhalten und wieder zu hören.“ Erfreulich sei, dass nicht irgendeine Orgel, sondern die Orgel von Christ König den Weg nach St. Theresia findet. Durch die Orgel werde der Kirchenraum für Besucher noch lebendiger und einladender, freut sich der Organist. „Nicht nur von der Optik her.“ Seit Einweihung der Kirche im Jahr 1994 begleitet Schreyer die Gottesdienste musikalisch auf einem Keyboard.
Was die Finanzierung der Orgel angeht, gibt sich Pfarrer Schmit zuversichtlich. Noch stünden keine genauen Kosten fest. Bewegen könnten sich diese zwischen 60.000 und 100.000 Euro. „Mit kräftiger Unterstützung der Gemeinde, des Kirchenbauvereins und der Diözese müsste das Vorhaben zu stemmen sein.“ Wenige Tage vor Weihnachten erreichte Schmit das Foto eines von Diözesanbaumeister Hartmann in Auftrag gegeben Modells der Orgel mit der angedeuteten Form einer Krone. „Jetzt gilt es, den Umbau möglichst bald zu verwirklichen.“ Ein günstiger Zeitpunkt zur Einweihung der Orgel wäre nach den Worten Schmits der Christ-König-Sonntag, der letzte Sonntag im Kirchenjahr 2009. „Es könnte auch der erste Sonntag im Advent sein.“
Groß ist die Vorfreude auf die neue Orgel in der Pfarrei St. Theresia. Alle Beteiligten haben ihre Bereitschaft bekundigt, der Königin der Instrumente, die ursprünglich in der ehemaligen Pfarrkirche Christ König erklang, jetzt in der katholischen Kirche im Uniwohngebiet eine neue Heimat zu geben: Ein Weihnachtswunsch der Pfarrei in der Uniwohnstadt für 2009.
Joachim Schwitalla
Bilder: Firma Zimnol, agentur view
Inhalte in dieser Rubrik:
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