
»Am 10. September wird Eric Dietenhöfer im Dom zu Speyer zum Diakon geweiht. Das gab es noch nie in Dansenberg – Grund, einmal nachzufragen, was es mit diesem Amt auf sich hat, wie man Diakon wird und wie das alles mit Beruf und Familie zu vereinbaren ist«
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Herr Dietenhöfer, stellen Sie sich doch bitte vor.
Ich wurde 1968 in Kaiserslautern geboren. 1998 bin ich mit meiner Frau nach Dansenberg gekommen. Wir haben zwei Kinder im Alter von acht und zehn Jahren. Von Beruf bin ich Zollbeamter. Liturgisch groß geworden bin ich in der Pfarrei Sankt Martin in Kaiserslautern; hier war ich Messdiener, Lektor und Kommunionhelfer.
Wie kommt ein Zollbeamter auf die Idee, Diakon zu werden?
Der eigentliche Anstoß kam von unserem früheren Pfarrer Bernd Schmitt, der im Rahmen eines Glaubensgesprächs plötzlich zu mir sagte: „Und du machst Diakon!“ Nach fünf Monaten Bedenkzeit bin ich Ende 2004 nachts wach geworden und wusste, dass ich Diakon werden soll.
Wie wird man Diakon?
Als Diakon muss ich fünfunddreißig Jahre alt sein, ich brauche eine abgeschlossene Berufsausbildung, und ich muss aktiv am Gemeindeleben teilnehmen. Von mir wird Bereitschaft zu einem besonderen Dienst erwartet, ich sollte Freude haben an diesem Dienst für den Nächsten. Wichtig ist auch, dass meine Frau einverstanden ist, denn die Entscheidung muss von der Ehefrau mitgetragen werden – sonst kann der Spagat zwischen Familie, Beruf und dem Diakonenamt nicht gelingen. Im Unterschied zu allen anderen pastoralen Berufen setzt der Dienst eines Ständigen Diakons die
Bewährung in einem Zivilberuf voraus.
Behält man dann seinen ursprünglichen Beruf? Oder gibt es nur hauptamtliche Diakone?
Beides geht, ein Diakon kann seinen Dienst haupt- oder nebenberuflich ausüben. Ich werde weiterhin in meinem Beruf als Zollbeamter arbeiten.
Wie sieht die Ausbildung zum Diakon aus?
Die Bewerber für das Ständige Diakonat absolvieren ihre Ausbildung neben dem Berufsleben, d. h. im Selbststudium, in Fernkursen, in diözesanen Ausbildungsveranstaltungen am Wochenende und in entsprechenden Kursen. Konkret heißt das: theologischer Grund- und Aufbaukurs als Fernstudium an der Domschule Würzburg mit Abschluss, vier Jahre Pastoralkurs im Priesterseminar in Speyer, Teil- nahme an den monatlichen Studientagen des Diakonatskreises, jährliche Studienwoche, Praktikum in der Wohnpfarrei, monatlicher Weihekurs über neun Monate, geistliche Begleitung.
Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus auf dem Weg zum Diakon?
Meine Weihe zum Diakon erfolgt am 10. September im Dom zu Speyer durch Handauflegung durch den Bischof. Er überreciht mir das Evangeliar als Symbol dafür, dass ich jetzt den Glauben verkünden kann. Anschließend bekomme ich die Stola angelegt.
Sie sind dann Diakon - was ist das denn: Diakonie?
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Dienst". Hierunter versteht man alle Aspekte des Dienstes am Menschen im kirchlichen Rahmen.Immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken, weil sie hier keine Perspektive mehr sehen.
Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung reagiert?
Die Resonanz auf meine Entscheidung war fast durchweg positiv, sowohl im Verwandten- als auch im Kollegenkreis. Oft kommen Kollegen sogar auf mich zu, um in Lebensfragen meinen Rat einzuholen.
Welche Aufgaben hat ein Diakon?
Diakone sind in der Regel in der Gemeinde tätig, und dort in drei Bereichen: Diakonie, Verkündigung und Liturgie. Der Diakon sorgt sich um die Menschen, die besonders auf die Diakonie der Gemeinde angewiesen sind. Er muss versuchen, für menschliche Not zu sensibilisieren und zur Mithilfe anzuregen. Das heißt konkret: Jugendarbeit, Ehe und Familie, Alte und Kranke, Beratungsdienste, Erziehung, Begleitung und Betreuung von Menschen in schwierigen Situationen, Messdienerarbeit, Begrüßung von Zugezogenen ... Zur Verkündigung gehören: Glaubensgespräche, Wortgottesdienste, Verkündigung des Evangeliums und die Predigt in der Eucharistiefeier, Vorbereitung auf den Sakramentenempfang, Katechese, Religionsunterricht. In der Liturgie macht der Diakon deutlich, dass Dienst am Menschen und Gottesdienst untrennbar zusammengehören: Aufgaben des Diakons sind das Spenden der Taufe, der Dienst am Altar, bei Eheschließungen zu assistieren und sie zu segnen. Außerdem soll er Andachten und Vespern halten, als Kommunionhelfer fungieren und Beerdigungen halten.
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Was ist denn der Unterschied zwischen den Aufgaben eines Diakons und den Aufgaben eines Pastoralreferenten?
Zunächst ist für eine Pastoralreferentin bzw. einen -referenten ein Theologiestudium erforderlich. Der Pastoralreferent arbeitet in der Seelsorge, beispielsweise die Sakramentenvorbereitung. Zu seinen Aufgaben gehören aber auch die kirchliche Erwachsenenbildung, besondere Gottesdienste, Einzel- oder auch Krankenhausseelsorge. Ein Diakon hat die Weihe empfangen. Deshalb darf er das Evangelium verkünden, predigen und den Dienst am Altar verrichten als auch die bereits genannten Sakramente spenden beziehungsweise dabei assistieren und auch
die bereits genannten Aufgabengebiete wahrnehmen.
Apropos Predigt – fällt Ihnen da immer etwas ein?
Eine Predigt erfordert eine intensive Vorbereitung. Es ist ein Bezug zwischen dem jeweiligen Evangelium und dem Hier und Jetzt, dem konkreten Umfeld der Gemeindeglieder herzustellen. Die Gläubigen sollen die Botschaft Jesu vom Evangelium des Tages in der Predigt wiederfinden. Eine Predigt muss so abgefasst sein, dass sie die Gläubigen in ihrem Glauben bestärkt; zudem soll jeder etwas für seinen Alltag mitnehmen können.
Was gefällt Ihnen an Ihrer zukünftigen Aufgabe besonders?
Der Kontakt zu Menschen mit bereichernden Gesprächen, der Dienst am Nächsten. Gerade im Hinblick auf die Gemeindepastoral 2015, wo Gemeinden immer größer werden, ist das Ehrenamt wichtiger denn je. Die liturgische Versorgung ist bereits problematisch und wird sich in Zukunft noch schwieriger gestalten. Der persönliche Kontakt von Pfarrer und Gemeindegliedern wird weiter abnehmen. Die Seelsorge kann vom Pfarrer nicht mehr allein geleistet werden. Auch hier ist unter anderem der Diakon gefordert.
Was bedeutet es für Sie, als Diakon zu leben?
Der Dienst in der Kirche und der Dienst an den Menschen. Das eine erwächst für mich aus dem anderen. Der Dienst in der Kirche, in der Verkündigung der Frohen Botschaft, in den Sakramenten, im Gebet und in der Liturgie ist genauso wichtig wie der Dienst an den Menschen.
Gab es auch mal Zweifel?
Gelegentlich kam schon die Frage auf, warum gerade ich? Schaffe ich das? Werde ich den Anforderungen gerecht – gerade auch im Hinblick auf meine Familie. In meiner Frau hatte ich jedoch immer einen starken Rückhalt. Sie hat mich immer wieder dazu angespornt. Auch die Treffen mit anderen Diakonanwärtern sowie die Exerzitien während der Ausbildung haben mir die Kraft gegeben, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Gibt es trotzdem noch Freizeit – und wenn ja, wie entspannen Sie sich?
Da meine Familie durch die Doppelbelastung oft zu kurz kommt, versuche ich möglichst viel Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen. Außerdem schnitze ich sehr gerne. Für die körperliche und geistige Fitness mache ich Karate und gehe joggen; hinzu kommt noch der Dienstsport.
Was möchten Sie noch loswerden? Ihnen gehört das letzte Wort:
Es ist mir noch ein besonders Anliegen, alle Angehörigen unserer Pfarreiengemeinschaft sowie der protestantischen Nachbargemeinden zu meiner Weihe im Dom zu Speyer (9 Uhr) herzlich einzuladen. Der Einführungsgottesdienst ist dann später in Sankt Peter und Paul in Dansenberg: am Sonntag, dem 18. September um 10.30 Uhr.
Herr Dietenhöfer, vielen Dank für das interessante Gespräch und den Einblick in Ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld! Ich wünsche Ihnen viel Glück und Got- tes Segen. Mögen Sie stets ein offenes Ohr für Ihre Mitmenschen haben!
Das Interview führte MARIA DOMKE