Kirchen in Kaiserslautern

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Albe und Stola

»Weiße Albe und Stola statt schwarzem Talar«

Das Presbyterium der Versöhnungskirche auf dem Bännjerrück hat Farbe bekannt:

Künftig wird Frank Schuster (39) als einer der ersten protestantischen Pfarrer von Kaiserslautern in den Gottesdiensten mit weißer Albe und Stola vor die Gemeinde treten.

Mit großer Mehrheit ist das Presbyterium dem Antrag des Pfarrers gefolgt, die neue Amtstracht zu erproben. Eine Verordnung der protestantischen Landeskirche Speyer macht das Tragen von Albe und Stola von der Zustimmung des Gremiums abhängig. „Mit der Entscheidung haben schwarzer Talar und weißes Beffchen nicht ausgedient", sagt Schuster. Die Regelung gelte versuchsweise für zwei Jahre. Bei Beerdigungen und am Karfreitag werde er weiterhin den Talar anziehen. Schuster hat Gefallen an der neuen gottesdienstlichen Kleidung. „Sie ist festlicher und drückt eine freudige Stimmung aus. Sie hilft, die befreiende Botschaft der Bibel zu transportieren."

Weiße Albe und Stolen in den Farben des Kirchenjahres Rot, Grün, Weiß und Violett seien optisch interessant und im Gegensatz zum schwarzen Talar theologisch stimmig begründet, plädiert der Pfarrer für die neue Amtstracht. Farben sprächen das Lebensgefühl der Gottesdienstbesucher an und trügen zu einer positiven emotionalen Atmosphäre der Liturgie bei. Was die Bedeutung des Talars angeht, verweist Schuster auf dessen Entstehungsgeschichte. In seiner bis heute gültigen Form sei der Talar 1811 zuerst in Preußen durch einen königlichen Erlass, 1843 in der Pfalz durch eine Verordnung des bayerischen Königs eingeführt worden. Bei der Gestaltung des schwarzen Talars habe das mittelalterliche Gewand von Gelehrten wie Rechtsanwälten, Richtern aber auch jüdischer Rabbiner Pate gestanden. „Der Talar ist keine Frucht der liturgischen Tradition der christlichen Kirche." Für Pfarrer Schuster sind Albe und Stola Gewänder der Ökumene. Nicht nur im katholischen, orthodoxen und altorientalischen Bereich seien sie in Gebrauch. Stark durchgesetzt hätte sich die liturgische Kleidung in den letzten Jahrzehnten auch weltweit in verschiedenen Formen des Protestantismus.

Schuster ist die kontroverse innerkirchliche Diskussion um Albe und Stola bekannt. „Ich stehe dazu und werde beides mit großer Freude tragen." Bereits vor der Zustimmung durch das Presbyterium nannte der Pfarrer mehrere Stolen sein Eigen. Textilien mit frohen Farbkompositionen sind es, die er aus einem Karton nimmt. „Sie stammen aus Lateinamerika!" Jetzt werden sie auch im Gottesdienst zur Geltung kommen. Eventuellen Vermutungen von Gemeindemitgliedern, er könne mit den neuen Kleidern seiner katholischen Frau einen Gefallen getan haben, kommt Schuster zuvor. „Das hat mit meiner Frau nichts zu tun. Trotzdem findet sie es okay!" Was seine Kollegen in Kaiserslautern angeht, glaubt er, dass diese eher zurückhaltend von der neuen Kleiderordung Gebrauch machen werden.

Dekan Karl-Friedrich Weber erklärte auf Anfrage: „Ich selbst werde weiterhin den schwarzen Pfälzer Talar mit weißem Beffchen tragen. Für einen Tausch mit einer weißen Albe sehe ich für meine Person wirklich keine zwingende Notwendigkeit." Weil die Diskussion zunächst einmal unbeeinflusst in den einzelnen Kirchengemeinden geführt werden soll, sei die Verordnung der Landeskirche im Pfarrkonvent der protestantischen Pfarrerinnen und Pfarrer noch nicht diskutiert worden, betont Weber. „Sicher werden die ersten Erfahrungen auf reges Interesse stoßen und bei künftigen Pfarrkonventen diskutiert werden."

Pfarrer Norbert Kaiser, der Vorsitzende des katholischen Pfarrverbandes Kaiserslautern, sieht in der jetzt möglichen neuen Amtstracht protestantischer Pfarrer „mit Sicherheit keine Katholisierung der evangelischen Kirche". Die Stola sei seit altersher ein Zeichen der Würde. Die Farben der Stola betonten den Charakter der Feste im Kirchenjahr. Albe und Stola hätten bereits vor der Trennung von Protestanten und Katholiken zur liturgischen Kleidung gehört, erläutert Kaiser. Im Talar sieht er eine Konsequenz der Reformation. Sie habe auf Äußerlichkeiten keinen Wert gelegt und mehr auf eine Verinnerlichung des Glaubens gezielt. Wenn das Bedürfnis bei den Protestanten nach Albe und Stola bestehe, könne er das nachvollziehen. „Farben erleichtern die Darstellung von Festen und helfen, den Glauben zu formen." Auch für Kaiser sind Albe und Stola ein gemeinsames Zeichen der Christen für Ökumene.

Joachim Schwitalla