Kindergärten
Mehr als fromme Sprüche
Morgens wird dort gebetet, religiöse Lieder werden gesungen und eine biblische Geschichte erzählt. Das ist die verbreitete Vorstellung, was das Profil unserer evangelischen Kindergärten ist. In jedem Fall ist richtig, daß die Arbeit mit und für die Kinder ihre Begründung in der Bibel hat. Jesu Zuwendung zu den Kindern steht im krassen Gegensatz zum Umgang mit ihnen in der antiken Welt, wo Kinderhandel und Kindersklaverei verbreitet waren. Die Bibel malt also keine beschauliche Kinderidylle, sondern bietet ein konkretes Gegenmodell zur ausbeuterischen gesellschaftlichen Praxis damals wie heute! Also: Profilierung der kirchlichen Kindergartenarbeit durch Angebote im spielerischen wie im spirituellen Bereich, die den Ansprüchen der Konsum- und Leistungsgesellschaft entgegenwirken.
Dazu investiert die Kirche viele Millionen an Kirchensteuermitteln in die Kindergartenarbeit. Natürlich leistet die evangelische Kirche dadurch einen erheblichen Beitrag zur sozialpädagogischen und religiösen Kindererziehung in der Gesellschaft. Fiele sie als Trägerin von Kindergärten aus, kämen immense Kosten auf die jeweilige Kommune zu, die dann gesetzesgemäß einspringen müßte. Diese würde ihrerseits aber die Kosten auf die Bürger und Bürgerinnen abwälzen. Salopp gesagt: Wer nicht durch seinen Kirchensteuerbetrag die Kindergartenarbeit unterstützt, muß dies demnächst an der Parkuhr tun!
Nicht vergessen darf man bei den Kindergärten auch die Arbeit mit den Eltern. Das Interesse der Erwachsenen in unserer Gesellschaft an Spiritualität wird immer größer. Sie suchen sie allerdings kaum mehr in der Kirche, sondern auf Esoterikmessen oder im Reiki-Seminar. Die Kirche der Zukunft wird Kindern bereits im Kindergarten aufzeigen müssen, daß sie mehr zu bieten hat als fromme Sprüche, da sie sonst den Trend zur Entkirchlichung noch verstärkt.
Also: Profilierung der kirchlichen Kindergartenarbeit durch spirituelle Angebote, die den immer schneller und lauter werdenden Alltagserfahrungen der Kinder Räume der Ruhe, der Freiheit und der Selbstfindung läßt. Frank Schuster
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