Angedacht
»Wählen gehen ist der erste Schritt «
 |
 |
Unsere Landeskirche verdankt sich einer Abstimmung. Der bayerische König Max Josef verfügte 1818 eine Umfrage, ob eine Generalsynode die Union der lutherischen und der reformierten Kirche betreiben und es künftig eine Protestantische Kirche geben soll. Das Ergebnis war eindeutig: 40.167 Pfälzer und Saarpfälzer stimmten dafür, nur 539 dagegen.
Heute, 190 Jahre danach, haben die Protestanten wieder die Möglichkeit, direkt Einfluss auf ihre Kirche zu nehmen. Bei den Presbyteriumswahlen bestimmen sie die Gemeindeleitung, wobei Leitung sich nicht nur auf Bauen oder Geld beschränkt sondern auch das Glaubensleben beinhaltet. Wer in einem Presbyterium mitarbeitet ist nicht weniger wichtig als die Frage, mit wem die Pfarrstelle besetzt wird.
Pfälzer Protestanten müssen ihre Meinung offen aussprechen und bringen die Courage auf, das zu sagen, was sie denken. Natürlich müssen sie auch Mehrheiten aufbringen, wenn sie etwas erreichen wollen. Das ist manchmal ein mühsamer Weg, aber das Alternativmodell des „Durchregierens“ von oben nach unten hat den Beweis der Richtigkeit einer Entscheidung auch noch nicht erbracht.
Die Wahlen, die am 30. November anstehen, bieten die Möglichkeit einer kraftvollen Demon-stration. Dies bedeutet, sich nicht hinter Häuser- und Kirchenmauern zu verstecken, sondern die eigenen Überzeugungen in die öffentliche Diskussion einzubringen. Was einem selbst oder anderen auf der Seele brennt, das soll seinen Ort auch in der Kirche haben. Die großen aktuellen gesellschaftspolitischen Themen sind doch die Themen der Kirche und ihrer Diakonie.
190 Jahre nach dem „Geburtstag“ der pfälzischen Landeskirche stimmen wir wieder ab. Um jedem Missverständnis entgegen zu wirken: Wer seine Stimme abgibt, behält sie dennoch. Es bleibt die Aufgabe der Wähler und der Gewählten, weiter im Dialog und in der Auseinandersetzung den richtigen Weg zu finden. Wählen gehen ist der erste Schritt.
Wolfgang Schumacher
(Pfarrer und Verlagsleiter des Evangelischen Presseverlages Pfalz GmbH; von 1978 bis 1990 Presbyter der Kirchengemeinde Morlautern),
Foto: Evangelischer Kirchenbote
|