Kirchen in Kaiserslautern

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Angedacht

»Pfingsten: schwer vermittelbar?«

Pfingsten schwer vermittelbar?

Wenn Sie diese KiK-Ausgabe in Händen halten ist Weihnachten Vergangenheit. Kar-freitag und Ostern stehen vor der Tür, Pfingsten erscheint bereits am Horizont. Würde man Passanten zur Bedeutung dieser vier wichtigsten Feiertage befragen, die Antworten lägen für etliche Kaiserslauterer schnell auf der Hand.

Beim Pfingstfest gerieten die Erklärungen aber ins Stocken: „Pfingsten? Das ist doch das Fest des Heiligen Geistes!“ Aber wo finde ich diesen Heiligen Geist?

Als Pfarrer für City-Kirchen-Arbeit mache ich viele Führungen durch die Stiftskirche.
Dabei spielt diese Frage oft eine Rolle. Das liegt an einem geheimnisvollen Detail der Kirche: dem mutmaßlichen Pfingstloch.

Im Mittelalter konnten Viele nicht lesen. Deshalb suchten Geistliche und Kirchenbauer nach Möglichkeiten für die Vermittlung biblischer Botschaften. Für das schwer vermittelbare Pfingstfest entstand eine heute vergessene, spielerische Tradition. Was für Weihnachten das Krippenspiel ist, war zu Pfingsten das Pfingstloch. Nach der Lesung der Pfingstgeschichte zündete ein Gehilfe auf dem Dachboden der Kirche kleine, mit Wachs getränkte Stofffetzen an. Dann ließ er die Flammen aus einem Loch im Gewölbe auf die versammelte Gemeinde fallen. Anschließend flogen weiße Tauben aus dem Pfingstloch ins Kirchenschiff.

So wie in der biblischen Geschichte: Von oben kommt Gottes Geist, unerwartet und wie flammende Zungen auf die verängstigten Jünger, öffnet ihnen Herz und Mund. Wie eine Taube bei der Taufe setzt sich sein Geist auf die stummen Zeugen, lässt sie mit Begeisterung, ohne Angst reden, überschäumend erzählen von Gottes Wundern. Und alle, die dabei sind, wundern sich. Das war in Jerusalem vor fast 2000 Jahren.

Aber wo finde ich diesen Geist von Pfingsten heute?

Er ist ja nicht automatisch in jedem Gottesdienst anwesend oder zählt wie die Bibel zu den Dingen, die man sich zu Hause hinstellen kann. Der Geist erfüllt mich oder eben nicht. Und das geschieht nicht nur in der Kirche. Dem Geist Gottes begegne ich, wenn Menschen begeistert werden füreinander. Wenn sie nicht mehr das Trennende, sondern plötzlich das Verbindende suchen und finden. Wenn ich in Leuten, die ich lieber loswerden will, ein Gegenüber entdecke, das mir etwas zu geben hat. Wenn ich mutlos bin und in mir trotzdem neue Kraft wächst, meinen Weg weiter zu gehen. Dann ist ein Feuer, eine Flamme am Werk, die mit Gott zu tun hat.

In der Kirche wird oft vom Heiligen Geist gesprochen, aber auch dort wirken unheilige Geister. Und es gibt Orte, da spricht niemand von Gott, aber sein Geist wirkt, bewirkt Frieden, Freiheit und Liebe.

In diesem Jahr probieren zehn Protestantische Gemeinden einen neuen Weg aus, das Pfingstfest zu feiern mit einer „Nacht der Kirchen.“ In der Pfingstnacht stehen die Türen der Kirchen offen. Ein buntes Ver-anstaltungsprogramm soll viele Besucher begeistern. Mal sehen, wer da kommt!

Stefan Bergmann
Pfarrer für City-Kirchen-Arbeit