Kirchen in Kaiserslautern

    sitemap  |  Impressum  |  Druckversion   



Angedacht

»Angedacht Nun singet und seid froh Weihnachten und Musik«

Angedacht
Nun singet und seid froh
Weihnachten und Musik

Weihnachtslieder gehören zum Fest wie Kerzen, Tannenzweige oder Lebkuchen. Weihnachten ohne Musik ist undenkbar. Seit über 1000 Jahren wird zum Fest gesungen. Alle Jahre wieder läuft dann die Musik zu ihrer Höchstform auf.

Ganz verschiedene Arten von Liedern gibt es. Für den einen muss in der Weihnachtszeit das „Jauchzet frohlocket“ aus dem Weih-nachtsoratorium von Johann Sebastian Bach erklingen, am liebsten in einem festlichen Konzert. Für die anderen ist Weihnachten, wenn Bing Crosby sein „I ´m dreaming of a white christmas“ im Radio schmettert.

Die Geschmäcker sind verschieden. Aber immer bringen die Lieder bei denen etwas zum Klingen, die sie singen oder hören. Mit den Liedern stimmen wir in das Besondere der Heiligen Nacht ein und lassen uns von der Geburt des Gottessohnes berühren.

Wer hat als Erstes ein Weihnachtslied angestimmt? In der Bibel, beim Evangelisten Lukas, wird uns erzählt, dass es die Engel, die himmlischen Heerscharen, waren. Sie sangen in kräftigen Tönen vom Frieden auf Erden, damit die Menschen etwas merken vom Außergewöhnlichen der Heiligen Nacht. Die Hirten auf dem Feld hörten laut biblischem Bericht die Engelchöre zuerst. Womöglich ließen sie sich vom himmlischen Gesang inspirieren und stimmten ihrerseits Loblieder an.

Einige der heute bekanntesten Weihnachtslieder spiegeln diesen Gedanken wieder - etwa „Kommet ihr Hirten“. Freilich: die ersten Weihnachtslieder entstanden wohl nicht in Feld und Stall, sondern im 5. Jahrhundert in der Kirche.

Viele alte Weihnachtslieder werden noch heute gesungen. Denn sie überzeugen durch ihre außerordentliche poetische und musikalische Qualität. Häufig entstanden sie in Zeiten, in denen ihre Schöpfer um Leib und Leben bangten. Vielleicht vermögen sie deshalb bis heute zu berühren und zu trösten.
Als Beispiel sei hier Paul Gerhardt genannt. Als er lebte, tobte der Dreißigjährige Krieg in Deutschland. Wie viele seiner Zeitgenossen hatte auch Paul Gerhardt Zeit seines Lebens mehr Grund zum Weinen als zum Frohlocken. Dennoch sieht er sein Leben nicht als eines, das unter ungünstigen Sternen steht: Denn für ihn ist und bleibt Christus die wärmende Sonne, die das Dunkel durchdringen und besiegen wird.

In seinem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ besingt Paul Gerhardt das Weihnachtsfest wie kein anderer:

„Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht, des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen!“ (EG 37/ 3)

Weihnachten und Musik! Lieder können uns das Außergewöhnliche der Heiligen Nacht nahe bringen. Wenn wir sie singen oder hören, fangen sie an zu sprechen und nehmen uns in das Weihnachtsgeschehen mit hinein. Und singend oder hörend halten wir die Weihnachtsgeschichte gegenwärtig.

Heike Neu,
Pfarrerin an der Lutherkirche in Kaiserslautern