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10 Jahre Notfallseelsorge
Hilfe auch für die Polizei
Können Sie sich vorstellend, wie sich Polizisten und Polizistinnen fühlen,
- wenn sie zu einem Verkehrsunfall gerufen werden und vor Ort schwerverletzte oder tote Menschen vorfinden, Kinder, vielleicht sogar im Alter wie die eigenen,
- wenn sie Todesnachrichten ahnungslosen Familien überbringen müssen,
- wenn sie einen Suizid miterleben,
- wenn sie vielleicht auf einen Menschen schießen mussten oder wenn auf sie selbst geschossen wurde,
- wenn es bei Großeinsätzen zu schweren Auseinandersetzungen mit Hunderten oder Tausenden Gewalttätiger kommt?
Solche Situationen führen nicht nur zu körperlichen Schäden, sondern auch zu extremen seelischen Belastungen, bei den Opfern, aber auch bei der Polizei. Zwar wird die Polizei bei Aus- und Fortbildung auf solche Geschehnisse vorbereitet, doch kommt es immer wieder vor, dass der helfende Polizist selbst seelischen Schaden erleidet, manchmal über Jahre hinaus. Hilflosigkeit, Versagens- und Wiederholungsängste können im Extremfall zur Berufsunfähigkeit und zu frühem Ausscheiden aus dem Dienst führen.
Daher hat die Polizei neben der schon län ger die interne seelsorgerische Betreuung übernehmenden Polizeipfarrern beider christlichen Konfessionen in den 90er-Jahren für jedes der fünf Polizeipräsidien in Rheinland-Pfalz mindesten einen sozialen Ansprechpartner bestellt und 2001 die sogenannten Kriseninterventionsteams eingerichtet. Bestehend aus Polizeipsychologen, Sozialbetreuern, Polizei-seelsorgern und eigens geschulten Polizeibeamten unterstützen sie die Polizei bei Großeinsätzen oder in Extremlagen, wie beispiels-weise erst vor kurzem bei einer Beziehungstat in einer Kuseler Schule.
Die Größe der Polizeipräsidien (das Polizeipräsidium Westpfalz ist zum Beispiel größer als das Saarland) zeigt jedoch auch die Belastungsgrenzen der Interventionsteams auf. Die kirchliche Notfallseelsorge, die sich vor ca. 10 Jahren in die Arbeitsgemeinschaft Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst eingebracht hat, ist daher für die Polizei zu einem unverzichtbaren Helfer und Partner in psychisch besonders belastenden Alltagssituationen geworden. Gerade bei schweren Verkehrsunfällen oder Katastrophen, aber auch bei der Überbringung von Todesnachrichten erweist sich schon die Präsenz der kirchlichen Mitarbeiter bei vielen Betroffenen als der tröstende Faktor.
Die Möglichkeiten der kirchlichen Notfallseelsorge gehen über diejenigen der Polizei hinaus, besonders, wenn primär Geschädigte (Opfer) oder sekundär Geschädigte (Zeugen, unverletzte Beteiligte, Angehörige) im Rahmen länger dauernder Nachsorge betreut werden müssen.
Notfallseelsorge und Polizei tragen in vielen Fällen die psychischen Lasten gemeinsam; die Notfallseelsorge übernimmt somit auch einen Teil der psychischen Last der Polizei, wofür ihr deren Dank gebührt.
Gerd Braun, Polizeipräsident a. D.
Foto: Uta Mayr-Falkenberg