Kirchen in Kaiserslautern

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Ich bin der Meinung...

»Ich bin der Meinung, lieber Paul Gerhardt, dass die evangelische Kirche allen Grund hat, Ihren 400. Geburtstag zu feiern«

Lieber Paul Gerhardt,
die evangelische Kirche hat allen Grund, Ihren 400. Geburtstag zu feiern. Aus Ihrer Feder stammen die schönsten Lieder unseres Gesangbuchs, Verse, die bis heute nichts von Ihrer Kraft verloren haben. Zum Beispiel Ihr Abendlied:
„Nun ruhen alle Wälder / Vieh, Menschen, Städt und Felder / Es schläft die ganze Welt / Ihr aber meine Sinnen / Auf auf, ihr sollt beginnen / Was meinem Schöpfer wohlgefällt.“

Am 12. März 1607 wurden Sie in Sachsen geboren; mit 11 war Ihre Kindheit vorbei. Da begann ein Krieg in Deutschland, der 30 Jahre lang dauern sollte. Mit den Soldaten kamen das Morden – und die Pest. Wie durch ein Wunder haben Sie die als Jugendlicher überlebt. Hat Sie das so fromm werden lassen?

In Wittenberg als Theologiestudent haben Sie zu dichten begonnen, oder? 139 Gedichte sind von Ihnen überliefert – sicher ist einiges verloren gegangen. Ein Glücksfall, dass Sie in Ihrer Berliner Zeit als Pfarrer an der Niko-laikirche, damals nach dem großen Krieg, dem genialen Kantor Johann Crüger begegneten, der viele Ihrer Gedichte vertonte.

Wissen Sie, ich möchte sagen, Ihre Lieder waren „Popsongs“.


Was? höre ich da einige meiner Zeitgenossen rufen! – Ja, Ihre Lieder verbreiteten sich in Windeseile. Man sang sie, wie man mir sagte, in Straßburg und Zürich, in Kopenhagen und Amsterdam, in Breslau und Leipzig. Es gab keine – verzeihen Sie die Ihnen fremden Begriffe –Radiostationen, CD’s oder Videoclips. Notenblätter kursierten. Die Menschen lernten Ihre Lieder kennen, indem sie selbst die Strophen sangen und bald auswendig wussten. Gesungen wurde, das wissen Sie besser als ich, in Familien und in Kirchen. Die Gotteshäuser waren neben den Marktplätzen ja die Orte der Popkultur, weil sich dort entschied, was populär wurde und was jedes Kind kannte.

Theologisch waren Sie schon recht konservativ, ein echter Vertreter der lutherischen Orthodoxie. Von Toleranz zwischen den Religionen oder Konfessionen wollten Sie nichts wissen. Aber das ist vergessen.

Was bleibt sind Ihre wunderbar vertonten Lieder. Ich bin sicher, man wird sie in 400 Jahren noch singen. Dafür sind wir Ihnen dankbar, auch hier in der Pfalz.
Studierendenpfarrer Eckart Stief