Kirchen in Kaiserslautern

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,,Die Gnade erwidern, die Gott uns erweist..."

»Zum Erntedankfest«

Die Vögel verlernen allmählich das Singen. Das haben Forscher in England festgestellt. Es ist oft einfach zu laut geworden in den Wohngebieten. Die Vögel hören ihresgleichen nicht mehr. Sie haben darum Schwierigkeiten beim Erlernen ihres eigenen Gesangs. Manche ziehen sich aus den Städten zurück, weil sie ohne Singen keinen Partner mehr finden; andere lernen einfach nur die Geräusche, die sie hören: Verkehrslärm, Alarmanlagen und Handys. Sie können nur noch nachahmen, was sie in ihrer Umgebung gehört haben. Sie verlieren etwas von ihrem eigenen Wesen.

Ist das auch bei Menschen so? Kann es sein, dass Menschen etwas von ihrem Wesen verloren haben? Für mich gehört das Danken zu unserem Wesen, wie das Singen zum Wesen der Vögel. Es wäre schade, wenn Menschen das Danken verlernen würden.

Aber ist das wirklich zu befürchten? Nehmen wir das Wort „danken“ nicht täglich in den Mund? Zahllos sind die Sätze und Redeweisen, in denen „danken“ vorkommt:
„Du hättest wenigstens danke sagen können.“ „Was, das war der ganze Dank ...?“
„Das hat er dir aber schlecht gedankt.“ „Undank ist der Welt Lohn!“

Es sollte uns zu denken geben, dass das Danken so selbstverständlich scheint, dass wir uns damit aber auch so schwer tun.

Jemand zur Dankbarkeit verpflichtet zu sein, ist belastend und kann Menschen aneinander ketten. Wir schulden Dank, wir rechnen und zahlen mit Dank. Der Dank wird zum Zahlungsmittel, mit dem eine Schuld beglichen wird. Zwischenmenschliche Beziehung verkommen zu Tauschbeziehungen.

Interessant ist: Es gibt in der Bibel keine ein-zige Aufforderung zur Dankbarkeit gegenüber den Mitmenschen und nur jeweils zwei mehr oder weniger eindeutige Belege für zwischenmenschliches Danken überhaupt.
Das bedeutet nun aber keineswegs, dass Menschen zu biblischer Zeit untereinander nicht Anlass zur Dankbarkeit gehabt hätten. Aber Paulus adressiert seinen Dank an Gott. Das biblische Danken ist ein Gott-sei-Dank! Auch wenn dieser Dank für andere Menschen ergeht, abgestattet wird er Gott allein. „Ich danke meinem Gott, wann immer ich euer gedenke, “ so Paulus im Philipperbrief.
Die Dankbarkeit des Apostels ist keine pflichtgemäße Abstattung von Dankesschulden, sondern eine ausgesprochen freudige und freiwillige Angelegenheit.

Danken heißt nicht anderes als „die Gnade erwidern“, die Gott uns erweist. Danken heißt, „den andern in seiner Freude wollen“ (H.G. Gadamer). Dieses Danken ist ein freudiges Tun und damit keine unerträgliche Schuldenlast und fesselnde Verpflichtung.

„Im Dank“, so hat es der Religionsphilosoph Georg Picht formuliert, „geben wir uns selbst aus der Hand“. Wem aber können wir uns bedenkenloser in die Hand geben als Gott? Das ist keine Frage von Pflicht und Schuldigkeit, sondern von Vertrauen.

Es wäre schön und täte uns gut, das Danken in diesem Sinne wieder neu zu entdecken und zu lernen. Denn das Danken gehört eigentlich zu unserem Wesen, wie das Singen zum Wesen der Vögel gehört.
Kurt Herzer, Pfarrer