Das Christentum ist universell

»Mit Pfarrer Kaiser geht ein Lotse der Ökumene von Bord«

Pfarrer Norbert Kaiser steht an der Tür zu St. Martin, seiner Kirche. Ein junger Mann geht hinein, wenig später eine Frau. Ein älteres Ehepaar kommt heraus. Alle grüßen freundlich. Vom benachbarten Martinplatz winken Kinder herüber. Ihre Mutter ruft 'hallo'. Pfarrer Kaiser winkt zurück…

In Kaiserslautern kennt man den Hausherrn von St. Martin, und es ist mit sein Verdienst, dass man seine katholische und die Protestantische Stiftskirche oft in einem Atemzug genannt wird. So wird es aller Voraussicht nach auch bleiben, wenn Pfarrer Kaiser am 1. August die Schlüsselgewalt abgibt und mit 70 Jahren ein neues Leben als Ruheständler beginnt.

In den 35 Jahren, die Kaiser in Kaiserslautern wirken durfte, lag ihm die Ökumene am Herzen. „Christentum ist universell,“ bringt er es kurz und bündig auf den Punkt. Mit diesem inneren Anspruch hat er mit vier Dekanen der Protestantischen Kirchengemeinde Kaiserslautern zusammengearbeitet. Als da waren Martin Krieger, Karl-Heinrich Beck, Karl-Friedrich Weber und nunmehr Dekanin Angelika Keller. Gott gab ihm dafür als Leiter des katholischen Pfarrverbandes eine besondere Schaltstelle. Der Verband war 1976 unter ihm gegründet worden. Pfarrer Kaiser prägte ihn und verankerte dort ökumenisches Wollen.

Dies fand „einen emotionalen Höhepunkt in der Partnerschaftsvereinbarung zwischen der Stiftskirche und St. Martin“ (so der Priester). Das sind jene beiden Kirchengemeinden, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind, äußerlich das Bild dieser Stadt prägen und nach innen das christliche Leben ihrer Bewohner symbolisieren. Über das Kirchenjahr hinweg gibt es immer wieder Beweise der gemeinsamen christlichen Zusammenarbeit. Einer davon ist jener seit über 20 Jahren geübte Brauch, am Ostermontag ein „Fest des Glaubens“ zu feiern. Dazu werden abwechselnd Gottesdienste in den beiden Kirchen abgehalten. Ein weiteres herausragendes, bis jetzt allerdings einmaliges Projekt war „Der Sommer der Kirchen“. Diese Broschüre beinhaltete im Sommer 2003 alle Veranstaltungen der Protestanten und Katholiken in Kaiserslautern. Im Vorwort hieß es dazu: „Was wir sind und tun, das sind und tun wir gemeinsam – in ökumenischer Gemeinschaft. Auch dort, wo wir (noch) getrennte Wege gehen, leben wir nicht nebeneinander oder gegeneinander, sondern miteinander... "

"Wir leben aus der gleichen Wurzel, die uns trägt. Wir bekennen uns zu der einen Kraft, die uns stark macht: ,,Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller." (Epheser 4.5)

„In der Ökumene gibt es manches, das man nicht mehr zurücknehmen kann. Die Weichen sind gestellt,“ meint Pfarrer Kaiser. „Wir haben Vieles gemeinsam getan, aber ich habe nichts getan, was (aus der Sicht der katholischen Kirche) verboten war“.

Nunmehr geht mit Pfarrer Norbert Kaiser, ein Lotse der Ökumene, von Bord. Er verabschiedet sich von seinem Gemeindeschiff sowie von Kaiserslautern und zieht sich zurück in seinen Heimathafen. Das ist Hettenleidelheim bei Grünstadt in der Vorderpfalz. Sein Kommentar dazu: „Man tut sich, seiner Gemeinde und dem Nachfolger keinen Gefallen, wenn man bleibt. Ich bin gestaltet worden durch die Gemeinde. Ich habe die Gemeinde geformt. Die Zeit ist vorbei!“

Text und Foto: Uta Mayr-Falkenberg