Kirchen in Kaiserslautern

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Evangelischer Gemeindedienst

»"Ich gehe mit Dir und helfe Dir!"«

Da ist der Mann, der ins Gefängnis muss. Daheim aber versorgt er seine pflegebedürftige Mutter. In seiner Not wendet er sich an Torsten Wilhelm (Bild), seit Februar 2010 Leiter des Evangelischer Gemeindedienstes der Protestantischen Gesamtkirchengemeinde Kaiserslautern. Der Sozialpädagoge schaltet die Seniorenberatung ein. Es wird ermittelt, was die alte Frau braucht. Denn wird Hilfe für den Haushalt und beim Einkaufen organisiert. Dies ist einer von vielen Fällen, bei denen der Gemeindienst Menschen unter die Hände greift, die keinen Ausweg mehr wissen.

Im Rahmen der umfangreichen kirchlichen Umstrukturierungen, nicht zuletzt unter dem Motto „Zukunft mit Konzept“ hat das Dekanat den Gemeindedienst, der in den einzelnen Kirchengemeinden schon seit langem existierte, nun als übergemeindlichen Dienst organisiert. Heute residiert diese Anlaufstelle für Hilfesuchende am Stiftsstraße 2 und setzt sich aus den drei Sozialarbeitern Marita Schäfer, Esther Stark und Torsten Wilhelm zusammen. Ihnen steht als Verwaltungskraft Helga Spies zur Seite.

Getreu dem diakonischen Auftrag der Kirche versteht sich der Gemeindedienst als Erstkontaktstelle für Menschen mit gravierenden, oft existenziellen Problemen. Seine Anliegen darf jeder vortragen, ohne Ansehen der Person, das Gemeindeglied ebenso wie die türkische Familienmutter. Es kommen beispielsweise Arbeitslose, die Arbeitslosengeld II beziehen und mit der Bürokratie nicht zurechtkommen. Hier schaut man, ob die Bescheide in Ordnung sind. Es kommen Familien mit Erziehungsproblemen, die meist auch finanzielle Schwierigkeiten haben. Sucht- und Drogenkranke wenden sich an diese Stelle ebenso, alte Menschen, die einen Sinn für den Lebensabend suchen. Die Aufgaben, die sich im Gemeindedienst bündeln, sind so vielfältig wie es menschliche Probleme gibt.

Ein besonderes Aufgabengebiet ist die schwangeren- und Schwangerschafts-Konfliktberatung. Hier sind Frau Schäfer und Frau Stark tätig. Herr Wilhelm, der im Sommer einen speziellen Kurs für diese Aufgabe absolvieren wird, sagt dazu: „Es ist ja keineswegs so, dass jede Bertung auch zu einem Abbruch der Schwangerschaft führt. Wir haben auch andere Fälle.“

Torsten Wilhelm, der seine ersten beruflichen Schritte beim Sozialamt und dann beim Jugendamt der Stadt tat, sieht seine jetzige Stelle als Berufung. „Ich bin nicht von ungefähr zu diesem Beruf gekommen,“ sagt er. In seiner eigenen Familie habe es viele existenzielle Probleme gegeben. So ist es ihm wichtig, den Ratsuchenden zu zeigen, dass er Respekt vor ihnen habe. Sein Angebot beim Evangelischen Gemeindedienst kleidet er in ein paar einfache Worte. Er versucht dem Hilfesuchenden zu vermitteln: „Ich gehe mit Dir und helfe Dir!“

Text und Foto:
Uta Mayr-Falkenberg