Angedacht
»Gottes Aufstand beginnt mit dem Advent«
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Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, so lautet der wohl bekannteste Satz des Schriftstellers und Philosophen Adorno. Dieser Ausspruch wurde für viele Menschen in den 60er und 70er Jahren zum Ansporn, auf die Straße zu gehen und um für Veränderungen in der Gesellschaft einzustehen.
Aus dem gleichen Grund demonstrierten vor 20 Jahren auch tausende Menschen in der ehemaligen DDR. Sie empfanden das Land, in dem sie lebten, als falsch. Ein richtiges Leben im falschen Leben in der DDR war ihnen nicht möglich.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Dieser Satz drückt eine gute Widerständigkeit gegen das schon immer Gegebene aus. „Das war schon immer so!“; „Das wird sich nie ändern!“ Solche Sätze mögen aus der Perspektive des Sprechers zutreffen, doch schnüren sie jegliche Hoffnung auf Veränderung ab.
Gerade im Hinblick auf das Ende des Kirchenjahres werden uns die scheinbar unumstößlichen Gegebenheiten unseres Lebens deutlich vor Augen geführt. An Totensonntag gedenken wir der Verstorbenen. Vielen Menschen erschien der Tod im vergangenen Kirchenjahr als falsch. Von einem Tag auf den anderen war der geliebte Mensch an der Seite nicht mehr da. Das kann nicht sein! So gibt es kein richtiges Leben im falschen. Doch kann man gegen Krankheit und Tod auf die Straße ziehen?
Die kommende Adventszeit markiert den Beginn einer Revolution, die aufräumt mit den scheinbar unumstößlichen Gegebenheiten von Krankheit, Tod, Hunger und Ungerechtigkeit. Gott selbst ist an Weihnachten „auf die Straße“ gegangen. Hat sein gemütliches und sicheres Reich im Himmel verlassen und ging heraus, um als Jesus von Nazareth geboren zu werden und unsere Welt zu verändern. Sein ganzes Leben ist der Veränderung und dem Protest gegen alles gewidmet, was Menschen unterdrückt, ausbeutet und Angst macht.
Gott gibt sich nicht zufrieden mit dem „Das war schon immer so“! Es ist nicht richtig, dass Menschen hungern und in Armut leben. Es ist nicht richtig, dass das Leben und die Würde des Einzelnen mit Füßen getreten wird. Es ist nicht richtig, dass geliebte Menschen plötzlich nicht mehr da sind.
Gottes Aufstand beginnt mit dem Advent. Advent ist die Erwartung, dass Gott selbst unsere Welt verändert. Denn für Gott gibt es kein richtiges Leben im falschen.
Jochen Roth
Pfarrer in Hochspeyer/Fischbach und Waldleiningen
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