Kirchen in Kaiserslautern

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Wer war Calvin?

»Systematiker der christlichen Kirchenlehre des 16. Jahrhunderts«

Johannes Calvin wurde am 10. Juli 1509 in Noyon in der Picardie (Frankreich) geboren und starb am 27. Mai 1564 in Genf.

Der französische Humanist, Jurist und Theologe zählt zur so genannten zweiten Welle der spätmittelalterlichen Reformatoren. Er ist zwar nicht der Urheber reformatorischer Theologie, gilt aber als einer der prägendsten Systematiker der christlichen Kirchenlehre des 16. Jahrhunderts.

Von seinem Hauptwirkungsort Genf aus entwickelte sich eine Bewegung, die weite Teile Europas erfasste und bald in die neue Welt gelangen sollte. Calvins Reformation war wie die des Zürichers Zwingli auf die Gestaltung der Gesellschaft ausgerichtet.

Über sein Wirken in Straßburg und seine Bekanntschaft mit dem Reformator Martin Butzer hat er auch entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung des Protestantismus in der Pfalz ausgeübt.

Auch die moderne Demokratie und die Idee der Menschenrechte wurden von Calvin beeinflusst. In seiner Genfer Kirchenordnung sehen viele ein Modell der späteren staatlichen Gewaltenteilung.

Auf dem Unionsdenkmal der Stiftskirche (Bild) ist er neben Martin Luther als lebensgroße Figur zu sehen. Beide verweisen auf die die Bibel als „der“ Grundlage des protestantischen Bekenntnisses.

Das Unionsdenkmal ist übrigens eines der ganz wenigen Reformationsdenkmäler, die eine Darstellung Calvins bringen. Es ist zwar im historistischen Stil des 19. Jahrhunderts errichtet, aber enthält sich bewusst jeder Heroisierung; seine Botschaft: Konfessionsfrieden ist möglich.

Die Grundideen seiner Theologie formulierte Calvin erstmals in seiner „Christianae Religionis Institutio“ (Unterricht in der christlichen Religion) von 1536. Das Werk könnte man als einen ersten Erwachsenenkatechismus bezeichnen. Es beginnt mit den Worten: „All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient und wahr und zuverlässig ist, umfasst im Grunde eigentlich zweierlei: Die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis.“
Text: Dr. Ingo Holzapfel/Foto: Stefan Bergmann