Meinung
»Erziehen ist anstrengend und kostet Kraft«
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Ich bin der Meinung, dass nicht nur das Internet, PC-Spiele und wüste Rap-Songs erantwortlich sind für das gewaltbereite Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Vielmehr noch als diese Medien, die neben den uns bekannten positiven Seiten auch viel Sexistisches und Gewaltverherrlichendes transportieren, liegt ein großer Teil der Verantwortung für das Verhalten junger Menschen bei uns allen – in der Gesellschaft
bzw. in der Erziehung.
Welche, auch gewalttätigen Inhalte das Netz in sich birgt, ist hinlänglich diskutiert. Fragt sich, wievielen Eltern überhaupt bekannt ist, dass sich ihre Kinder mit wenigen
Klicks in einer den Erwachsenen meist völlig verborgenen virtuellen Welt verlieren können. Oder ist es einfach nur angenehm, dass die Kinder zuhause sind, statt auf der
Strasse herumzugammeln? Schließlich sind Spiele wie Ego-shooter und TV-Sendungen,
in denen am Nachmittag schon mehr Blut fließt als zumutbar ist, durchaus gängige Beschäftigungen von Teenagern. Besonders nach dem furchtbaren Amoklauf von Winnenden ist diese Diskussion wieder aufgekommen und damit auch schnell die Frage ach „Schuld“ oder besser Verantwortung.
Allerdings nützt alles Aufschreien und Klagen nichts, wenn dem nicht konkrete Massnahmen folgen, zum Beispiel bildungspolitisch endlich akzeptiert werden muss, dass ein gutes soziales Klima nur in kleineren Klassen erreicht werden kann.
Leider hat Gewalt auch in der Erziehung und in engen sozialen Beziehungen deutlich zugenommen. Väter, die ihren Söhnen raten: „Schlag nur zu, wenn dich einer ärgert,“ und sich dabei noch gut und stark fühlen, sind absolut gesellschaftsfähig und azeptiert.
Eltern, die Schläge für ihre Kinder als letztes brauchbares Mittel einsetzen, merken gar nicht, dass sie mit jedem Schlag ihre eigene Hilflosigkeit ausdrücken. Ebenso wie die Eltern, die Geld mit Liebe und Kalorien mit Anerkennung verwechseln. Erziehen ist eben anstrengend und kostet Kraft. Ebenso heißt es, pro-soziales Verhalten vorzuleben.
Wenn wir bereit sind, unser eigenes Verhalten zu reflektieren und wenn wir bereit sind, unseren Kindern und Jugendlichen Ziele zu vermitteln, Sinn zu geben und vor
allem vernünftige Grenzen zu setzen, dann können christliche Werte, wie wir sie auch
im Religionsunterricht vermitteln, wieder mehr Stellenwert bekommen.
Nomi Banerji-Gévaudan ist Pfarrerin
und Sonderpädagogin an der Berufsbildenden
Schule I Kaiserslautern und
(seit März diesen Jahres) zertifizierte
Trainerin für Anti-Aggressivitäts-Training.
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