Kunst und Kirche
»Was hat Kunst mit Kirche zu tun?«
Bilder sprechen die reichere Sprache
In der Lutherkirche biete ich seit nunmehr sechseinhalb Jahren eine Vortragsreihe „Kunst und Kirche“ an. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich beachtlicher Kreis von Menschen, die daran interessiert sind, die Zeichensprache der Kunst verstehen zu lernen. Sie staunen zum Beispiel über Bilder von Fürsten der Renaissance, die sich mit ausgestopfter Garderobe noch größer machen – oder über Frauenbilder der Gotik, die Frauen so zart und hauchdünn darstellen, dass man meinen möchte, die Frauen sollten aus der Perspektive des Künstlers verschwinden. Bilder sprechen die reichere Sprache der Kultur- und Kirchengeschichte. Sie sind nicht nur Gemälde, sondern Sinnbilder.
Ich selbst bin ein großer Fan von Carravaggio. Der italiensche Maler eignet sich ob seiner Deutlichkeit und Präzision für eine Einführung in die Sinnbildwelt der Kunst sehr gut. Darüber hinaus verknüpft er profane und kirchliche Themen ausgesprochen harmonisch.
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Dieses Gemälde zeigt Maria, die Mutter Jesu, und Maria Magdalena im Gespräch. Es enthüllt einen Tiefenaspekt der Beziehung der beiden Frauen, der ohne visuelle Illustration so nicht in den biblischen Berichten zum Tragen kommt. Die Mutter Jesu hört Maria Magdalena zu. Sie hat, so scheint´s, etwas zu sagen. Die Ältere achtet die Jüngere nicht gering. Sie lässt sich einen Spiegel vorhalten und taut dem Ernst der jüngeren Frau, die mit ihrem Blick sagt: Sieh hin. In diesem Bildnis geht es um Dich. Wer bist Du? Willst Du die sein, die Du bist? Oder sollen wir über neue Möglichkeiten deiner Person reden?
Auch sind die beiden Frauen in die gleichen Farben gehüllt. Sie haben nur jeweils unterschiedliche Farbakzente gesetzt. Was sagt diese Schwerpunktsetzung über Maria und Maria Magdalena aus? Hochinteressante theologisch-psychologische Fragestellungen aus dem 17. Jh. n.Chr.
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Kunst bringt Glaubens- und Lebensfragen unverkrampft ins Gespräch. Sie ermöglicht auf Art des jeweiligen Künstlers eine kritische und ertragreiche Auseinandersetzung mit biblischen Texten. Auch bei Protestanten „isst das Auge mit“.
Kunst enthüllt Theologie, die nicht vor Augen ist. Das macht Kunst mit Kirche.
Seien Sie jederzeit in unserem Kreis willkommen.
Martina L. Abel, Pfarrerin (Lutherkirche)
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