
»Kommission beeindruckt von lebendiger Kirche „Wir haben gesehen, wie lebendig Kirche in Kaiserslautern ist. Die Kommission ist beeindruckt und erfreut.“ Das Resümee zog Kirchenpräsident Eberhard Cherdron vor rund 250 Mitarbeitern des protestantischen Kirchenbezirks nach einem Workshop im Gemeindezentrum Alte Eintracht, bei dem zentrale Handlungsfelder des kirchlichen Lebens thematisiert wurden.«
Gegenüber der RHEINPFALZ sagte Cherdron, die Visitation habe ihn bis jetzt sehr positiv beeindruckt. Ein großer Schatz des Kirchenbezirks seien die vielen engagierten Mitarbeiter und Ehrenamtliche, die sich für ein intensives Gemeindeleben einsetzten. Darauf könne die Kirche in Kaiserslautern stolz sein. Die Ergebnisse aus den Workshops resümierten Mitglieder des Landeskirchenrat vor dem Plenum. Arbeitsgrundlage bildete der von Dekanin Angelika Keller und dem Bezirkskirchenrat erstellte Visitationsbericht.
Oberkirchenrat Gottfried Müller regte an, das kirchliche Angebot für Jugendliche stärker zu vernetzen. Eine Herausforderung für die Jugendarbeit sah er in der veränderten Schullandschaft durch die Ganztagsschule. Weiter ausgebaut werden sollten die guten Erfahrungen, die man mit der Jugendkirche während der Fußballweltmeisterschaft gemacht habe.
Kirchenpräsident Cherdron leitete den Arbeitskreis Erwachsenenbildung. Er lobte die Arbeit protestantischer Frauen- und Männervereine, die es in anderen Kirchenbezirke nicht gebe. Handlungsbedarf sah er in der Zusammenarbeit zwischen Altenheimen und Kirchengemeinden. Er empfahl, die Kontakte zu den Altenheimen zu intensivieren. „Der Platz im Altenheim bedeutet für viele Menschen ein tiefer Einschnitt.“ Aus der Familie und der Gemeinde herausgerissen, vermissten sie ein Heimatgefühl. Der Besuch durch den Pfarrer oder eines Gemeindeglied könne einem alten Menschen ein Stück Heimat vermitteln, sagte Cherdron.
Oberkirchenrätin Karin Kessel nahm sich der Arbeit in den Kindertagesstätten an. Anliegen der Landeskirche sei es, die Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft zu erhalten. Eine Qualität der Arbeit sei nur erreichbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Das gelte insbesondere für altersgemischte Gruppen. Diese benötigen einen größeren Raumbedarf. Zur Finanzierung der Erweiterungskosten durch die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren müssten die Trägereinrichtungen beider großen Konfessionen gemeinsam bei den Kommunen vorstellig werden. Sie bedauerte, dass viele Kinder grundlegende Verhaltensweisen erst erlernen müssten. Auch sei die Zusammenarbeit mit den Eltern schwieriger geworden, bedauerte Kessel. Viele Kinder litten neben materieller Not auch eine emotionale Not. Letztere, wenn ihnen familiäre Geborgenheit fehlte.
Oberkirchenrat Diethr Lutz widmete sich der diakonischen Arbeit. Er gab zu bedenken, dass manche Schwangerschaftsabbrüche wegen finanzieller Armut gewünscht würden. Von einem Haus der Diakonie, das alle Beratungsstellen unter einem Dach vereine, verspreche er sich ein kompetentes Dienstleistungszentrum. Ein solches sei auch für Kaiserslautern vorgesehen.
Oberkirchenrat Christian Schad brachte Formen und Zeiten der Gottesdienst zur Sprache. Er schlug vor, die starren Gottesdienstzeiten sonntags zwischen neun und 11 Uhr zu flexibilisieren und dabei die Spannweite zwischen traditioneller Gestaltung und innovativen Ideen im Auge zu behalten. „Warum sollte der Gottesdienst nicht sonntags abends gefeiert werden?“ Weiter plädierte er für eine Gottesdienstkultur über die Gemeinden hinaus, an der jeder teilhaben könne. Ein Lob zollte er der Kirchenmusik. „Die ist in Kaiserslautern privilegiert.“
Oberkirchenrat Christian Schäfer nahm den evangelischen Religionsunterricht an 46 Lauterer Schulen unter die Lupe. Sein Ergebnis: Die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und berufsbildenden Schulen ist fast mangelhaft. (jsw)