
»Vertreterinnen und Vertreter des Protestantischen Kirchenbezirks Kaiserslautern, der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft sowie des Katholischen Referats Seelsorge in der Arbeitswelt des Bistums Speyer haben heute an der öffentlichen Betriebsversammlung von Karstadt Kaiserslautern teilgenommen.«
Viele Menschen haben bei dieser Veranstaltung ihre Solidarität mit den Beschäftigten von Karstadt Kaiserslautern zu Ausdruck gebracht, Politiker von Landes- und Kommunalebene, Beschäftigte anderer Betriebe, Gewerkschaften, Verbände, Kirchen sowie Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis. Als Kirchenvertreter sehen in der Solidarität so vieler Akteure ein gutes und wichtiges Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer region. Bei aller Betroffenheit und Wut über die unselige Entscheidung der Insolvenzverwaltung hoffen wir, dass dies Zeichen der Solidarität den Beschäftigten etwas von dem Mut und der Kraft gibt, die sie momentan so dringend brauchen.
Unsere Hochachtung und Unterstützung gilt dem Betriebsrat, der sich für die Beschäftigten eingesetzt hat und weiter einsetzen wird, und dem wir mit den uns möglichen Mitteln jegliche Unterstützung zusagen. Besondere Hochachtung hat auch das mutige und entschiedene Auftreten des Geschäftsführers von Karstadt Kaiserslautern, Herrn Michael Sauter verdient. In seiner bewegenden und mutigen Rede hat er gezeigt, wie unternehmerisches Handeln in Verantwortung aussehen kann. Es ist äußerst bedauerlich, dass sich seine Vorgesetzten ihrer Verantwortung nicht stellen.
Absolut inakzeptabel bleibt für uns Kirchenvertreter das Vorgehen von Insolvenzverwaltung und Vorstandsmitglied, welches die Entscheidung den Mitarbeitern am Dienstag mitteilte. Das geschilderte Verhalten und die fehlende Bereitschaft, die Entscheidung zur Schließung inhaltlich zu begründen, zeugen von einer Arroganz und Menschenverachtung, die so nicht hinnehmbar ist. Als Kirchen treten wir dafür ein, dass Menschen sich in Würde und Anstand begegnen. Katholische Soziallehre und Protestantische Sozialethik betonen gemeinsam, dass der Mensch nicht zu Mittel wirtschaftlicher Prozesse herabdegradiert werden darf. Der besonderen Würde des Menschen als Ebenbild Gottes ist auch in wirtschaftlichem Handeln Rechnung zu tragen. Diese Würde wurde durch die Art der Übermittlung der Entscheidung mit Füßen getreten.
Die Beschäftigten von Karstadt sowie die politischen Akteure haben ein Recht darauf zu erfahren, was die Gründe für die Entscheidung waren, sie haben ein Recht darauf, dass mit Ihnen über mögliche Perspektiven diskutiert wird und sie nicht einfach vor Tatsachenentscheidungen gestellt werden. Insofern begrüßen wir auch das Vorhaben von Ministerpräsident Kurt Beck, der die Entscheidungsträger von Karstadt auffordern will, Rede und Antwort zu stehen.
Mehrfach wurde bei der Betriebsversammlung geäußert, dass die Entscheidung der Schließung feststehe, und es allenfalls minimale Chancen gibt, daran noch etwas zu ändern. Auch wenn es keine Chance zu geben scheint, fordern wir doch alle gesellschaftlichen Gruppen dazu auf, alle Anstrengungen zu unterstützen, die den Mitarbeitenden von Karstadt eine Zukunftsperspektive eröffnen. Als Kirchen sehen wir uns in der Pflicht, diese Anstrengungen mit den uns möglichen Mitteln zu unterstützen.
Kaiserslautern, den 3.12.2009
Protestantischer Kirchenbezirk Kaiserslautern
Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft
Referat Seelsorge in der Arbeitswelt des Bistums Speyer